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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Initialbepflanzung/Umsetzen von Wasserpflanzen



Toni
29.10.13, 15:55
Hallo zusammen,

an unserem Innabschnitt wurden und werden derzeit etliche verlandete Altwasserbereiche wieder eingetieft und damit reaktiviert. Die neuen Gewässerbereiche sind in der Regel frei von Unterwasserpflanzen und entsprechend fischarm. Nun diskutieren wir derzeit, ob wir Initialbepflanzungen machen wollen. In Frage kommen aus meiner Sicht vor allem Potamogeton-Arten, da diese in vergleichbaren Gewässerabschnitten im Umfeld dominieren.

Nun beschäftigen mich erst mal die Fragen, wie man rein technisch idealerweise vorgehen würde.

Wann, sprich welche Jahreszeit ist ideal fürs Umpflanzen?
Reicht es, Pflanzenteile einzubringen oder müssen es Wurzeln sein?
Ich dachte daran, im Frühjahr Wurzeln auszugraben und im Zielgewässer zu versenken?

Wer hat mit so etwas Erfahrung?

Gruß
Toni

Schnickes
29.10.13, 16:16
Ich habe das in einem Stillgewässer gemacht.
In Fließgewässer ergibt sich die Bepflanzung in der Regel doch schnell von selbst?

Toni
29.10.13, 19:13
Guter Hinweis;
Es handelt sich um stehende Bereiche, zum Teil sind die Pfützen auch nicht, oder nur im Hochwasserfall mit dem Fluß verbunden.
http://geoportal.bayern.de/bayernatlas/default?lon=4515067.0&lat=5322543.0&zoom=13&base=904
z.B. Die Lacke in Bildmitte wurde mittlerweile eingetieft und ist aber abgeschnitten. Der milchige Bereich nordöstlich ist dauerhaft mit dem Fluß verbunden.
Natürlich würde im Laufe der Zeit auch eine natürliche Sukzession stattfinden, die Frage ist halt ob man so lange Warten will.

Mattes
29.10.13, 19:25
Natürlich würde im Laufe der Zeit auch eine natürliche Sukzession stattfinden, die Frage ist halt ob man so lange Warten will.

Gegenfrage: Gibt es etwas Spannenderes als der ungelenkten Sukzession zusehen zu dürfen? Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit dazu? :;:

Schnickes
29.10.13, 21:49
Auch in dem Fall würde ich persönlich nicht oder nur gaaanz minimal eingreifen. In einem Angelteich wäre das was anderes.

Wenn es dich trotzdem interessiert, fasse ich kurz zusammen, wie ich versch. Laichkräuter in einem Angelteich hochgezogen habe bzw. noch versuche.

MarcO
30.10.13, 12:36
Hi Schnickes,

bei mir besteht großes Interesse an deinem Vorgehen.

LG Marco

Alex
30.10.13, 13:23
Servus und Hallo!
Zur Ergänzung der Einleitung von Toni:
- in einem Bereich der nur teilentlandet wurde und bereits Pflanzenbewuchs bestand haben wir schön gestufte Alterspyramiden und eine hohe Individuenanzahl
- das Kerngebiet hat um die 100ha und ist eigentlich als ein Aufzuchtbereich zu werten, es darf nur 2 Monate pro Jahr geangelt werden und der Zugang ist sehr, sehr, mühsam.
- wenig Pflanzen = wenig Fische der mittleren Kategorien, zu deutsch viel Brut und nur wenige Großfische aller Arten.
- wenig Pflanzen = viel Jagdfläche für den Kormoran - Die Wasserflächen sind in einer Vogelfreistätte bzw. in der Nähe des Schutzgebietes.
- Toni und ich sind nicht mehr die Jüngsten, wir wollten schon noch erleben wenn wieder "Fischsuppe" ist so wie es von unseren ältesten Kameraden berichtet wird
Viele Grüße!
Alex

Schnickes
30.10.13, 16:37
Da wohl doch Nachfrage besteht, habe ich einen Artikelentwurf - wohlbemerkt für kleine Stillgewässer - fertig geschrieben: Wasserpflanzen in Teichen ansiedeln (http://xn--gewsserwart-n8a.de/wasserpflanzen-in-teichen-ansiedeln/)

Toni
31.10.13, 20:10
Gegenfrage: Gibt es etwas Spannenderes als der ungelenkten Sukzession zusehen zu dürfen? Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit dazu? :;:

Hallo Mattes,

da bin ich grundsätzlich deiner Meinung. Die Gelegenheit ungelenkte Sukzession zu beobachten haben wir hier aber an noch ein paar Stellen. Allein im unteren Drittel unserer Vereinsstrecke waren im letzten Winter ca. 12 Bagger im Dauereinsatz, diesen Winter geht's weiter oben weiter. Fürs nächste Jahr läuft die Planung... Da bleiben schon ein paar Pfützen über die man sich selbst überlassen kann. Da die Initalmaßnahmen von den Fischereivereinen finanziert wurden, sollte sich aber schon auch an ein paar Stellen ein Erfolg in Form besserer Fischbestände zeigen lassen.

Wenn wir hier zudem den Zusammenhang zwischen Pflanzenwachstum und Fischbeständen einigermaßen zeigen können würde das vernünftige Hegemaßnahmen an anderer Stelle deutlich leichter machen. Für eine großen Teil der Fischer ist "Kraut" doch nur etwas das beim Angeln stört.

Petri
Toni

Albert
31.10.13, 21:44
Da wohl doch Nachfrage besteht, habe ich einen Artikelentwurf - wohlbemerkt für kleine Stillgewässer - fertig geschrieben: Wasserpflanzen in Teichen ansiedeln (http://xn--gewsserwart-n8a.de/wasserpflanzen-in-teichen-ansiedeln/)

Saubere Arbeit Schnikes!
Ich stelle mir nur vor, als angenommener nicht so belesener GW stoße ich auf Deine Blogseite und lese Deinen Beitrag.
Etwas fehlt mir das Salz zur Abrundung. Du hast nur die Graskarpfen als unwillkommener Pflanzenlimitator erwähnt.
Ich denke, die Nennung einer passenden Individuenzahl an Fischarten für solche Kleingewässer wäre sinnvoll, auch mit dem Hinweis auf
die Symbiose Wasserinsekten, Amphibien, Pflanzen und Fische. Wäre eine umfassende Hilfestellung.
Soll keine Kritik sein, wir wissen ja, dass da so alles begehrte in Kleingewässer nach Besatz wieder an den Haken geht und da nicht reingehört.

Schnickes
31.10.13, 23:02
Erst mal vielen Dank, Albert. Es ist immer schwierig einen umfassenden Artikel zu schreiben ohne dabei den Bogen der Aufmerksamkeit zu überspannen. Deinem Wunschthema könnte man schon wieder einen eigenen Artikel widmen, allerdings will ich absichtlich nicht zu sehr in die Theorie gehen. Das wird sicher an anderer Stelle besser gemacht.

So what. Lass uns nicht zu sehr vom eigentlichen Diskussionsthema abweichen.

Toni, interessiert dich ggf. wie ich die Pflanzen umgesetzt habe?

Toni
31.10.13, 23:39
Allerding Schnikes,

vor allem interessiert mich die rein technische Seite, wann, wie die Pflanzen behandeln, wie einpflanzen, Fehler vermeiden..... auch in Hinblick darauf, dass ich evtl. zukünftig mal vor Baggerarbeiten Pflanzen bergen kann.

Schnickes
01.11.13, 09:29
Also ich habe nur das Krause Laichkraut aus einem Fluss geborgen. Mit anderen Arten wird das sicher auch funktionieren.

Zunächst habe ich solange abgewartet bis sich gute, starke Pflanzkissen gebildet hatten. Weiß jetzt nicht mehr den genauen Monat, war aber im Frühjahr. Wenn du eine Pflanze ausgewählt hast, einfach die Wurzel freilegen und einzelne Stängel entfernen. Die Wurzel müssen vorhanden sein, sonst wachsen sie später nicht an. Da der Transportweg recht kurz war (15min), habe ich die Setzlinge einfach alle in einem wassergefüllten Eimer transportiert. Es wäre sicher ausreichend, wenn du das ganze nur mit einem nassen Tuch o.ä. auskleidest. Das Einpflanzen habe ich bisher nur in den Körben probiert und nur darauf geachtet, dass das Substrat dem im Fluss ähnelt. Eigentlich, wie beim normalen Gärtnern auch: Die Wurzeln werden einfach in das Substrat gebuddelt und festgedrückt.

Meine Erfahrung vom Umsiedeln von Fließ- ins Stillgewässer (ziemlich unterschiedliche Wasserchemie) zeigt, dass die Umstellung für die Pflanzen nicht so einfach scheint. Manche gingen ein, manche taten sich schwer, aber wuchsen dann. Deswegen empfehle ich dir viele Setzlinge in verschiedenen Tiefen (Temperatur) und an unterschiedlichen Standorten (Sonneneinstrahlung, Substrat) zu setzen. Vollsonnig und eine 0,3-0,5m Tiefe Stelle mit wenig schattenerzeugenden Pflanzen ringsum würde ich empfehlen. Letztlich wird dir aber auch nur Ausprobieren Gewissheit bringen.

franz
02.11.13, 19:44
Hallo schnickes!

Danke für die Infos!

gruß franz

Mattes
02.11.13, 22:03
Von mir noch ein paar Infos:

Ich hatte ja in diesem Frühjahr meinen Filtergraben mit Ablegern besetzt.

Hier der Graben in jungem Zustand:

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Das letzte Bild ist vor gut einem Monat entstanden. Der Graben platzt förmlich auseinander.


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Als Sediment im Graben wurde ausschließlich Lehm/Sandgemisch benutzt. Da aber alle Pflanzen einen verschieden hohen Nährstoffbedarf haben, wurde entsprechend nachgeholfen. Bei einigen Arten wurde auf Düngung verzichtet, einige Arten wurden mit einer Düngetablette bedacht, andere wiederum mit zwei Düngetabletten. Den Nährstoffbedarf konnte ich einer Tabelle entnehmen.

Pflanzen der Uferregion, sowie die Pflanzen der geringen Tiefe (bis 40cm) waren geteilte Pflanzen mit geringem Restwurzelwerk. Die Unterwasserpflanzen der tieferen Regionen (60+) waren jedoch nur abgeschnittene Pflanzenstängel. Mit 5-6 Stängeln als Bündel, dass mit einem Garn zusammengehalten wurde, wurden diese in den Schlamm gedrückt. Hatte die Sorte Nährstoffe nötig, wurde erst ein Loch mit den Fingern in den Grund gedrückt, dann Düngetabletten rein und dann die Pflanzen.

Gut 50% der Pflanzstängel lösten sich wieder und trieben auf. Diese musste ich mühsam wieder einsammeln, neu zusammenbinden und erneut einsetzen. Dieses Mal allerdings mit vom einem Gummi umwickelt, dass auch einen dicken Kieselstein einspannte. So hielten die Pflanzen dann auch auf dem Grund. Die Wasserschraube war so ein Kandidat, der gerne auftrieb. Die breiten Blätter gaben ihr so starken Auftrieb.

Wer Infos über die Düngetabletten braucht: Kurze PN an mich. Habe auch noch ein paar Hundert Stück hier rumliegen.

Bei einigen Arten hatte ich so meine Schwierigkeiten. Sumpflilie als zu kleine Portion eingesetzt, kümmerte vor sich hin. Die Krebsschere hat Schwierigkeiten mit den Ph-Wert gehabt. Die Wasserschraube hat erst alle Blätter verloren, bevor sie erfolgreich neue bildete und sich dann erst voll entwickelte.