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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Echter Naturschutz oder Tierquälerei?



Steini
17.02.14, 01:48
Vor einigen Jahren wurde in Holland ein Gebiet der Natur vollständig übergeben.
Zunächst entwickelte sich alles überaus positiv, dann aber begann sich das Gebiet zu verändern.
Man machte einen Versuch, diese Veränderung naturnah und dauerhaft aufzuhalten...

Größere Weidetiere wurden sich selbst überlassen......

Dass Hunger einst Ihren Bestand regulieren würde, war bekannt.
Natur ähnlich dem Zustand vor Jahrtausenden aber eben, ohne die wirklich großen Tiere und ohne größere Raubtiere.


Bitte erst lesen:http://de.wikipedia.org/wiki/Oostvaardersplassen

Einige positive Bilder wie Natur in Nordeuropa eben auch aussehen könnte.
http://www.youtube.com/watch?v=ij8p-4QxR9Y
http://www.youtube.com/watch?v=Qsnk45b_p7Y
http://www.youtube.com/watch?v=B1GCkMrHc8I
http://www.youtube.com/watch?v=lJphB-VcVSk
http://www.youtube.com/watch?v=YrtZF0tjsqE


Beeindruckend oder ?
Es gibt aber auch eine Kehrseite, die eben nichts für Tierschützer ist.

http://www.youtube.com/watch?v=tofJFxKOVao
http://www.youtube.com/watch?v=plJOsn65lVU
http://www.youtube.com/watch?v=xi85x1VuNhI

Ich habe Deutschland oft als Land der Tierschützer beschrieben, so etwas wäre bei uns wohl kaum möglich.

Aber wer es genauer betrachtet, wird ähnliches auch bei uns finden.
Was mag aus den Tieren wie Kormoranen werden, die kaum noch Feinde haben und nicht bejagt werden dürfen.
Oder um es auf unseren Bereich zu bringen, wie sterben Fische wenn sie zu viel oder falsch besetzt wurden?
Der normale Tod eines Großkarpfen halt, eines Teichstöres oder eben vieler Fische in P&T Teichen.

MarcO
17.02.14, 12:35
Hallo Steini,

vielen Dank für die Verweise zu diesem interessanten Thema.

Hier zeigt sich aus meiner Sicht wieder einmal das verfälschte Bild des Menschen von Natur. Bei dem Begriff Natur haben die meisten idyllische Szenen vor den Augen, aber so ist die Natur nun einmal nicht. Die Natur ist grausam und es findet ständig eine natürliche Auslese statt und genau das passiert dort, wenn Tiere verhungern. Der Bestand ist zu groß und so wird der Überbestand/ die Schwachen ausgesiebt.

Warum sollten denn die Tiere gefüttert werden? Um einen höheren Bestand zu haben, der nicht zu dem Ökosystem passt? Um die Tiere an Futterstellen zu gewöhnen, wo man Fotos verkaufen kann?

Wenn ich sehe wie der Herr in Grün auf das Rotwild zugeht, nur um zu demonstrieren wie geschwächt es ist und nicht wegläuft - ja dann frage ich mich schon was das soll. Dann bricht das Tier am Wasser zusammen und hat es fast geschafft (ertrunken), was macht der gute Mann - er zieht es raus um den Zustand des Ablebens noch zu verlängern. Ich kann es nicht verstehen, wenn man so handelt und die natürliche Auslese der Tierbestände anprangert, um es durch die Medien pushen zu lassen. Auf der anderen Seite verhungern in Afrika täglich Tausende Kinder...

Wenn man solch ein Projekt aufzieht, dann sollte man die Natur Natur sein lassen und sich diese Eingriffe (Fütterung usw.) verkneifen.

Und dann im dritten Video die Frage ob das echte Natur ist. Oh man ey. Wie konnte es die Natur nur schaffen zurechtzukommen, während der Zeit als die Menschen noch nicht da waren. *Ironie an* Sicherlich war das auch der Grund warum die Dinos ausgestorben sind - es waren keine Menschen da die sie gefüttert haben. *Ironie aus*

LG Marco

Steini
17.02.14, 14:16
Hi Marco, das mit dem Herrn in Grün ist mir gar nicht klar geworden.:shock:
Was er machte zeigt wie schwer es ist etwas richtig zu machen.
Nun verlängerte Er halt die Qualen.

Ich denke, du bist da noch eine Spur nüchterner bei der Betrachtung, als ich es war.
Hut ab, für die Klarheit Deiner zielorientierten Zeilen.:top:
Ich versuche zwar Tierschutz und Naturschutz immer zu trennen, aber es fällt mir auch nicht immer so leicht.
Da verstrick ich mich auch schon mal in Gefühlsduselei.:Klatsche:



D

Mattes
17.02.14, 16:42
Hallo,

ich stimme den klaren Worten von Marco zu. Gut auf einen Nenner gebracht.

Ich empfinde zwar alle weitere Entwicklung als natürlich, solange weitere "Kunstgriffe" ausbleiben, aber ich denke diese "Natur-Inszenierung" wurde falsch angefangen. Ohne vorhandene Prädatoren kann sich kein Gleichgewicht einstellen. Auch Tiere vom Schmerz zu erlösen ist ein Akt der Vermenschlichung.

Natur muss erlebbar sein, heißt es oft, wenn bestimmte Gebiete für den Zutritt gesperrt werden sollen. Hier wäre wohl ein hoher Bretterzaun der die Sicht auf das Spektakel nimmt eine gute Wahl gewesen.


Und das mit den Dinosauriern ... habe herzlich gelacht.

Thomas
17.02.14, 17:16
Stimme Marco ebenfalls zu.

Das Gesamtprojekt ist deshalb nicht gleich völlig schlecht, aber eben ausbesserungsbedürftig. Prädatoren rein, keine Zufütterungen, alles sich selbst überlassen. Dann funktioniert alles noch besser und stabilere Bedingungen können Einzug halten ...

MarcO
17.02.14, 17:39
Hi,

also es ist jetzt nicht so, dass mir das nicht nah geht, (wäre schlimm wenn nicht) wenn ich die Tiere da so sehe. Dieses menschliche Gefühl hat ja aber nichts mit der Natur zu tun und genau darum geht es ja bei dem Projekt.

Das man auf politische Probleme mit dem Aussetzen von Wölfen stößt ist klar, aber es wird ja auch gesagt, dass diese irgendwann von alleine zuwandern. Bis nach Thüringen haben sie es ja auch schon geschafft. Das die Tiere in harten Wintern verhungern ist halt ganz normal und gehört dazu, denn auch das führt zur Annäherung an ein Gleichgewicht für das zur Verfügung stehende Ökosystem.

Die Leute die sich über den jetzigen Zustand aufregen, dass sind die Gleichen die dann anprangern, wenn vom Wolf "angebissene" Tiere rumlaufen. Dann heißt es die Wölfe müssen gefüttert werden - ist doch viel harmonischer.
Das Theater um die Giraffe die da letztens im Zoo verfüttert wurde kann ich auch nicht vestehen. Wo bitte schön ist da das eigentliche Problem. Fütterungszeiten sind doch immer der Besuchermagnet - auch mit Kindern. Der einzige Unterschied war, dass es kein Supermarktfleisch war, sondern was mit Fell dran.

LG Marco

Steini
17.02.14, 17:53
Stimme Marco ebenfalls zu.

Das Gesamtprojekt ist deshalb nicht gleich völlig schlecht, aber eben ausbesserungsbedürftig. Prädatoren rein, keine Zufütterungen, alles sich selbst überlassen. Dann funktioniert alles noch besser und stabilere Bedingungen können Einzug halten ...

Geht aber so dort nicht, denn dann würden sich die Wölfe wohl ähnlich vermehren und müssten reguliert werden.
Ziel es dort ja, die Verbuschung aufzuhalten und eben nicht, einen gesunden Großtierbestand in den Vordergrund zu stellen.
Darum wird dort natürlich auch nicht gefüttert.
:hust:Also genau umgekehrt von dem Was sich manch ein Förster wünschen würde.
Anpassungsbedürftig ist es also nur wenn es um Tierschutz geht.

Thomas
17.02.14, 20:22
Ziel es dort ja, die Verbuschung aufzuhalten und eben nicht, einen gesunden Großtierbestand in den Vordergrund zu stellen.


:hmm: Deren Ziele müssen sich mit meinen Zielen als Ökologe nicht decken, oder, Steini ... ?

Steini
17.02.14, 23:12
:hmm: Deren Ziele müssen sich mit meinen Zielen als Ökologe nicht decken, oder, Steini ... ?

Doch, müssen Sie.
Das Ziel stand ja fest, es sollte die Verbuschung auf etwa 3000 ha verhindert werden.
Also eben keine ausgewogene Natur, die Bäume und Großtiere am Leben erhält.
Strukturvielfalt durch Übernutzung, Artenvielfallt durch Zerstörung, eben all das was sich entwickeln kann, wenn es nicht, nach Lehrbuch gleichförmig umgesetzt wird.
Selbst das da nun Aas herumliegt, ist wohl etwas besonderes, die Seeadler, Rabenvögel, Füchse und Geier , werden so etwas sonst selten vorfinden.

Lotalota
17.02.14, 23:42
Hallo,

Ohne die Top-Prädatoren ist das keine Natur, sondern allenfalls ein naturnaher Zustand.

In einer solchen Situation ist auch ein Eingreifen durch den Menschen zu rechtfertigen, wenn dieses Eingreifen dazu dient, diese Prädatoren zu ersetzen.
Ein Abschießen schwacher Tiere im Herbst würde nur diese fehlenden Beutegreifer ersetzen.

Wenn ich in einer solchen Situation die Viecher im Winter vor Hunger verrecken lasse, muss ich mich fragen lassen, wo da der berühmte vernünftige Grund bleibt.

Vergleichbar sind bei uns die Bestände von Kormoran und Rehwild. Auch hier fehlen die Prädatoren. Es ist keine Natur, wo man den Dingen freien Lauf lassen könnte.

Es gibt kein Gleichgewicht zwischen Räuber und Beute.

Ohne Bejagung des Rehwildes hätten wir keine Wälder mehr und in jedem Winter eine Unzahl von vor Hunger verreckten Tieren, sowie gewaltige Seuchenzüge.

Beim Kormoran ist es ähnlich. Es gibt keine nennennswerten Fressfeinde mehr. Die Bestandsanpassung findet nur noch über die vorhandene Nahrung statt.
Zunächst müssten dazu die Fischbestände gegen Null gehen. Das passiert aber nicht, da dieses niedrige Niveau, auf dem der Kormoranbestand reagieren würde, durch Besatz nie erreicht wird.
Daher verbleiben die Fischbestände auch auf einem permanent niedrigem Niveau und die natürlichen Regularien greifen nicht. In einer solchen Situation halte ich menschliches Eingreifen für erforderlich. Wenn ich etwas der Natur überlasse, muss ich ihr auch alles überlassen.

LL

Steini
18.02.14, 08:47
Lotalota, 3000 ha ist eine große Weide, mehr nicht.
Kaum genug Platz für Raubtiere und gemein weil die Tiere die Weide ja auf der Flucht nicht verlassen können.



Was den Kormoran betrifft, das sehe ich sehr ähnlich.

Albert
18.02.14, 14:16
Es gibt sie noch, die unberührte Natur.
Ausgewogenes Verhältnis Beutetiere und Prädatoren.
Ich denke da an unberührte Korallenriffe oder Teile des Amazonas.
Unsere europäischen Kulturlandschaften lassen das nicht mehr zu.
Dazu kommt unsere humane Mentalität siehe Zoo Kopenhagen.
Ist leider so. Die unbemerkten natürlichen Grausamkeiten erzeugen
auch kein Mitleid.

Steini
18.02.14, 15:36
Nehmen wir mal an man würde es mit dem einzig verbliebenden Raubtier in Europa dem Wolf versuchen.
Dann reicht es für eine Familie, also Vater Mutter + Jungtiere.
Das bei uns sind recht kleine Wölfe, also ein enormes Risiko was die Alttiere dann bei der Jagd auf solche Großtiere eingehen müssten.
Das Risiko werden sie versuchen gering zu halten.
Klar würden sie, schwache Tiere fressen, aber eben auch dafür sorgen das bestimmte wehrhaftere Arten mehr werden und wehrlosere verschwinden.
Mal etwas zur Reviergröße beim Wolf.http://www.wolfsregion-lausitz.de/biologie-und-lebensweise/das-wolfsrudel
Was also tun mit den Jungwölfen die dann abwandern wollen.
Schießen oder dort einsperren und verhungern lassen?:lachen:
Es würde das Problem nur verlagern, gleichzeitig aber das Ziel des Freihaltens der Flächen in Gefahr bringen.


Für den Luchs sind die Tiere zu mächtig und der möchte auch Wald, bliebe noch der Bär.

Mal zum Vergleich, der Serengeti Nationalpark ist 14.763 km² groß, also 1476300 ha und somit etwa 500 mal größer, als die Landfläche dort in Holland.