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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aal, Europäischer (Anguilla anguilla)



GW-Team
12.12.10, 20:09
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Systematik: (http://www.gw-forum.de/showthread.php?148-Einf%C3%BChrung-in-die-Biologische-Systematik-%28Taxonomie%29)

Klasse:Strahlenflosser (Actinopterygii)
Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
Unterordnung: Anguilloidei
Familie: Flussaale (Anguillidae)
Gattung: Flussaale (Anguilla)
Art: Europäischer Aal

Wissenschaftlicher Name: Anguilla anguilla


Flossenformel: (http://www.gw-forum.de/showthread.php?144-Flossenbezeichnungen-und-Flossenformel)

D 245–280
A 191–235


Größe:

Weibchen: (selten) bis zu 150 cm, in der Regel bis 130 cm
Männchen: 50 cm in Ausnahmen bis 60 cm


Gewicht:

Weibchen: bis zu 6 KG
Männchen: bis ca. 400 Gramm


Beschreibung:

Der katadrome (http://de.wikipedia.org/wiki/Wanderfisch)Wanderfisch hat einen langgestreckten, schlangenförmigen Körperbau. Die vordere Hälfte ist drehrund, die hintere seitlich zusammengedrückt. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse sind zu einem Flossensaum verbunden. Er hat keine Bauchflossen. Der Körperbau des Aals ist sehr muskulös. Sein Maul ist oberständig mit bürstenartigen Zähnen. In seiner sehr dicken und schleimigen Haut befinden sich kleine tiefsitzende Rundschuppen. Diese werden ab dem 3. bis 4. Jahr im Süßwasser gebildet.

Das, in den Stadien als Weidenblattlarve und Glasaal transparente Tier wird als Steig- oder auch Gelbaal auf dem Rücken dunkelbraun bis oliv und auf der Bauchseite gelblich. Kurz vor der Abwanderung als Blankaal wird der Rücken bis hin zu schwarz und die Bauchseite grauweiß bis silbrig.


Nahrung:

Je nach Nahrungsvorkommen in seinem Habitat entwickelt sich der Aal unterschiedlich. Man unterscheidet zwischen Spitzkopf- und Breitkopflaal, welche jedoch lediglich ernährungsphysiologische Varianten ein- und derselben Art sind. Der Spitzkopfaal ernährt sich überwiegend von Insekten, Würmern, Schnecken und Pflanzen. Der Breitkopfaal favorisiert kleine Fische, Fischlaich und Krebse. Auch Frösche und Mäuse können schon mal auf dem Speiseplan stehen. Er wird auch als Raubaal bezeichnet. Durch ihre unterschiedliche Ernährungsweise sind Breitkopfaale in aller Regel wesentlich korpulenter und wachsen schneller ab, als ihre Artgenossen, die sich zum Spitzkopfaal entwickeln.

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Foto: Hein Diegelmann - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Fotografen.

Entgegen der landläufigen Meinung ist der Aal definitiv kein Aasfresser. Den berühmten abgetrennten Pferdekopf suchen die Tiere allenfalls als gutes Versteck auf.


Lebensweise:

Der Aal ist ein äußerst flexibler Jäger, der zwar vorwiegend nachtaktiv ist, jedoch durchaus auch tagsüber anzutreffen ist. Obwohl er auch im Mittelwasser kleinen Fischen nachstellt, findet man in ebenso in den Uferbereichen, vornehmlich dort, wo andere Fische ihren Laich ablegen.

Seine Rückzugsgebiete sind Steinpackungen, unterspülte Wurzelbereiche und Aalröhren, die er sich in den Schlamm gräbt.

Sein Geruchssinn ist außerordentlich gut entwickelt. Die röhrenförmigen Riechorgane sind zum stereoskopischen Riechen fähig, was bedeutet, dass der Aal in der Lage ist, "dreidimensional" zu riechen. Im berühmten Vergleich wird gerne der Tropfen Flüssigkeit auf das 58-fache des Bodensees herangezogen. Viel interessanter jedoch dürfte es sein, dass der Aal in der Lage ist, alleine an den vorhanden Geruchsmolekülen anderer Aale in den Mündungsbereichen von Flüssen zu erkennen, wie viele Gelbaale in den Habitaten der jeweiligen Flusssysteme bereits angesiedelt sind, um hiernach seinen Aufstieg zu entscheiden. Einige der Tiere verbleiben jedoch in den Flussmündungen, unmittelbar in Küstennähe.

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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Fotografen: Sebastian Hänel Red. FISCH & FANG (http://www.fischundfang.de/)

Im späten Herbst zieht sich der Aal zur Winterruhe in sein Versteck zurück. Dort harrt er bis zum Frühling und dessen steigenden Temperaturen aus.

Vorkommen:

Ost-und Nordsee, so gut wie alle Binnengewässer Europas und Nordafrikas. Der Aal bevorzugt Bäche, Flüsse und Seen, deren Untergrund es zulassen sich dort zu vergraben. Weicher, schlammiger, nicht fauliger Grund. Hierbei sucht er auch die noch so verzweigtesten Kanäle und Gräben auf.


Fortpflanzung:

Der Aal dürfte wohl der faszinierendste Fisch in unseren Gewässern sein. Er unterscheidet sich nicht nur sehr auffällig durch seine Körperform von anderen Fischen, auch sein Lebensweise und seine Art sich fortzupflanzen ist einmalig.

Ist der Aal geschlechtsreif, beginnt seine zweite große Reise. Im Alter von 15 - 18 Jahren wandert er zurück in das Gebiet seiner Geburt. Dies tun zwar viele Fische, jedoch ist die zu überwindende Strecke beim Aal erstaunlich. Als Wanderfisch wird der Aal in der Sargassosee im Atlantik, nahe dem Bermudadreieck als Larve geboren. Die Larve, von einem Öltropfen in der Schwebe gehalten, driftet 3 Jahre lang mit dem Golfstrom in unsere Regionen. Driftet, trifft dabei nur zum Teil zu. Nach neuesten Erkenntnissen ist die Larve durchaus zu eigenen Schwimmbewegungen und somit zur Steuerung fähig.

Lange Zeit war ungeklärt wie sich der Aal überhaupt reproduziert. Erst 1922 wurden die ersten Weidenblattlarven in der Nähe der Bermudas entdeckt und als solche auch erkannt. Vormals hatte man beispielsweise auch die Aalmutter (http://de.wikipedia.org/wiki/Aalmuttern)in Verdacht ihr Ursprung zu sein.

Nach drei Jahren treffen die Larven dann an unseren Küsten ein. In dieser Zeit und mit dem Aufstieg in unsere Flusssysteme reifen die Larven zu Glasaalen. Zirka 7 cm lang und durchsichtig. Mit ihrem Aufstieg vollziehen sie die nächste Wandlung. Sie werden zum sogenannten Steig- oder auch Gelbaalen. Die Färbung des Bauches ist für die Namensgebung verantwortlich. Nun suchen sich die Aale ihre Habitate und wachsen ab.

Während die Männchen schon mit 6 – 9 Jahren geschlechtsreif werden, dauert es bei den Weibchen zirka 10 – 15 Jahre. Ist die Zeit gekommen, wandern die Tiere zwischen August und November, vorwiegend des nachts wieder ab. Diese Reise, in der pro Jahr bis zu 5000 km zurückgelegt werden, kostet die Tiere alle Reserven. Insgesamt kann diese Reise bis zu drei Jahre dauern und sie beträgt zwischen 4000 und 7000 km. Nach ihrer Paarung sterben sie ab. Der Zyklus beginnt erneut.

Das Geheimnis, dass sich solche Strecken vom einem Tier zurücklegen lassen, liegt in ihrem Anlegen von Reserven, während ihres Daseins in unseren Gewässern. Der Aal besteht zu 30 % aus Fett, bevor er auf Wanderung geht. Diese Reserven braucht er dabei vollkommen auf. Erlangt ihn sein Signal zu Wanderung mittels Hormonen (Prolaktin) anderer Blankaale, verwandelt sich sein Körper gänzlich zugunsten der Vermehrung. Er stellt innerhalb von vier Wochen die Ernährung ein und entwickelt seinen Verdauungsapparat zugunsten der Geschlechtsorgane völlig zurück, seine Augen vergrößern sich und der After zieht sich ein.

Eine Reise voller Gefahren beginnt.

Die Paarung an sich, konnte bis heute nie beobachtet werden. Weder bei den europäischen, amerikanischen, afrikanischen, oder asiatischen Aalarten.

Die inneren Organe:

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Gefährdung:

Der Aal steht seit 1998 auf der roten Liste der bedrohten Arten. Mittlerweile bekommen dies auch die Angler in Form von stark rückläufigen Fängen zu spüren. Zwar gibt es immer noch hohe Fangquoten, die einige Angler an den Tatsachen zweifeln lassen. Diese Quoten sind jedoch auf die hohen Besatzzahlen der vergangen Jahre zurück zu führen. Bis 2009 wurden insgesamt 10 Millionen vorgestreckte Aale in deutsche Flüsse ausgesetzt, um die Bestandszahlen zu stützen. Ohne diese Maßnahmen wäre die Wirklichkeit wohl greifbarer.

Dies sind die Bedrohungen, deren sich der Aal ausgesetzt sieht:


Umweltgifte: Ein Aal, der 18 Jahre in unseren Flüssen gelebt hat, sich dabei durch Schlamm und Sediment gewühlt hat und dort seine Nahrung sucht, hatte reichlich Zeit fettlösliche Gifte aufzunehmen. Während seiner Rückwanderung in die Sargassosee verbraucht er all seine Fettreserven. Alle im Fett gelagerten Gifte werden hierbei wieder frei gesetzt. Unfruchtbarkeit ist hier eine mögliche Folge.



Ein weiteres Problem für die Abwanderung können die Schwimmblasenwürmer darstellen, die mit dem asiatischen Aal in unserer Gewässer eingeschleppt wurden. Sie schädigen die Schwimmblase des Aals und beeinträchtigen die Funktion dieses zur Orientierung wichtigen Organs. Gerade auf der langen Reise durch das Meer benötigt der Aal dieses Organ, um kräftesparend sein Ziel zu erreichen. Mittlerweile ist bei vielen Tieren eine Resistenz gegen den Schwimmblasenwurm festgestellt worden.



Erreicht der Aal dann dennoch sein Ziel und schafft er es tatsächlich abzulaichen, stehen die Larven vor dem nächsten Problem. Durch die Klimaerwärmung ist der Golfstrom abgedriftet. Es wird somit ungleich schwerer für sie, unsere Flussmündungen zu erreichen, als dies in früheren Jahren der Fall war. In wie weit die Schwimmfähigkeit der Larven dem entgegentreten kann ist ungewiss.

Siehe hierzu: Mögliche Einflüsse des Klimawandels auf die Fischerei (http://www.lfv-westfalen.de/images/klima_und_fischerei.pdf) von Prof. Schreckenbach



Schafft es ein Glasaal bis an die Küsten Europas, wird er feierlich von den Glasaalfischern vor Portugal und Frankreich empfangen. Der Fang von 50 Millionen Tieren wurde alleine in 2010 für Frankreich bewilligt. Diese Tiere wandern in den internationalen Küchen zu hunderten in einer einzigen Portion als frittierte Delikatesse in die Münder derer, die sich eine höhere Potenz davon erhoffen. Insgesamt kommt in den Flussmündungen gerade Mal noch 1% des Aufkommens an, welches in den 80er Jahren dort eintraf.



Dieses eine Prozent steigt nun wahrhaft die Flüsse hinauf. Dort wo Querverbauten auf sie warten ist Schluss mit der Wanderung. Fehlende Habitate und neue gefiederte Fressfeinde erwarten ihn stattdessen. Schlechte Bedingungen für ein gesundes Abwachsen.



Berufsfischer und Angler holen sich natürlich auch ihren Teil der Beute. Sie beruhigen sich in aller Regel damit, dass es schließlich bedrohlichere Gründe gibt und ihre Entnahmezahlen den Braten kaum fett machen.



Hat der Aal es geschafft alle diesen Gefahren 18 Jahre lang zu entgehen, trifft er auf seiner Rückreise auf unsere „grüne“ Stromgewinnung und seinen sicheren Tod. Wasserkarftwerke rühmen sich ihrer Umweltverträglichkeit und zerschreddern dabei Tonne um Tonne an Fisch. Gerade der Aal durch seine gestreckte Form und seinem eher treibenden Vorankommen bei der Rückwanderung ist besonders anfällig für hohe Mortalitätsraten in den Turbinen. Die Zahl der Opfer werden von den Betreibern geschönt bis verschwiegen.


Weiterführende Informationen hierzu im Netz:


Der Aalhäcksler: Die Geschichte eines Greenpeace-Kraftwerkes (http://www.ruhrbarone.de/der-aalhacksler-die-geschichte-eines-greenpeace-kraftwerkes/)
"Grüner" Strom aus Wasserkraft ist blutiger Strom (http://www.anglertreff-thueringen.de/presse33.html)


Der Aal wird vermutlich aus unseren Gewässern verschwinden. WRRL und Umrüstungen der Kraftwerke gehen nur langsam von statten. Würden die Probleme des Aals allesamt von heute auf morgen verschwinden, bräuchte er immer noch gut 80 Jahre um seine Populationsstärke aus den Zeiten von vor 50 Jahren wieder zu erreichen. Andere Quellen sprechen gar von 200 Jahren.


Weiterhin interessant:


Aalblut ist giftig. Es ist somit nicht ratsam einen Aal auszunehmen, wenn man offene Wunden an den Händen hat. Brechreiz und Lähmungserscheinungen können die Folge sein. Durch die Erhitzung während des Garvorgangs wird das Gift neutralisiert.



Zur Altersbestimmung zieht man nicht wie üblich die Schuppen der Tiere heran. Die Untersuchung zur Altersbestimmung ist vergleichsweise schwierig. Hierfür wird eines der drei Gehörsteinchen heran gezogen. Speziell präpariert lassen sich unter dem Mikroskop die Jahresringe zählen.



Die Landwanderung: Hierüber gibt es die verschiedensten Geschichten zu lesen. Sicher ist der Aal im Stande eine gewisse Strecke über Land zu kriechen, jedoch hält sich die Fähigkeit in Grenzen. Der Boden muss sehr feucht sein, ist er trocken, "geht" der Aal freiwillig keinen cm darüber. Gründe für die unfreiwillige Wanderschaft können Abwandertrieb, Gewässerverunreinigung und Nahrungsmangel sein. Zu diesen Wanderungen ist er befähigt, da Aale auch durch die Haut atmen und so gut 50% ihres Bedarfs damit decken können.



Hindert man Aale am Abwandern, zum Beispiel durch Besatz in geschlossene Gewässer, können diese um die 50 Jahre alt werden. Der älteste dokumentierte Aal wurde 88 Jahre alt.



Blankaale können (z.B. in Gefangenschaft) aufgrund ihrer Fettreserven bis zu 4 Jahre ohne Nahrung auskommen



Der Aal gilt als einer unserer wichtigsten Speisefische. Sein äußerst delikater Geschmack, ist ihm zu Ehre gereicht. Künstliche Vermehrungsversuche sind bislang kläglich gescheitert. Auch wenn eine künstliche Reproduktion gelingt, scheitert es doch daran, den Larven die richtige Nahrung zur Verfügung zu stellen. Jüngst sind erste Erfolge bei der künstlichen Aufzucht asiatischer Aale gelungen.



Der Aal war "Fisch des Jahres" 1995


Interessante GW-Forum Berichte zum Aal:

Die vergessenen Aale (http://www.gw-forum.de/showthread.php?219-Die-vergessenen-Aale)

Weblinks/Quellen:

Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Aal)
fishbase.org (http://filaman.uni-kiel.de/Summary/SpeciesSummary.php?ID=35&AT=aal)
IFB-Aalheft (http://www.ifb-potsdam.de/aktuelles/ifb-aalheft.pdf)

Steini (verstorben am 06.09.2019)
24.01.11, 17:57
:icon_respekt:Mattes,
ich bin begeisterer!
Da steckt sehr viel Arbeit drinn.

Was ich mir bis heute noch nicht erklären kann, ist das verteilen der Glasaale auf die Flüsse.
Hier wird immer darauf verwiesen das sie den vorhandenen Bestand richen.

OK, möglich und bei dem Geruchssinn auch sehr wahrscheinlich.
Was mich stutzig macht, sind die Strömungsverhältnisse an der Küste.
Die Strömung drückt das Wasser von der Biskaja, durch den Ärmelkanal in die Nordsee.
In der Nordsee dreht sich das Wasser gegen den Uhrzeigersinn, es stromt also an der Deutschen Küste entlang weiter nach Dännemark und Norwegen.
Wenn es in allen Flüssen solch einen Rückgang giebt, warum schwimmen sie dann, von Spanien/Frankreich kommend, an etlichen Mündungen vorbei und besiedeln noch immer das gesammte Gebiet.
Die Glasaale erhalten so ja keine Info wie hoch der Bestand in den Gewässern vor Ihnen ist.
Dann müsste Gewässer auf Gewässer im Bestand aufgefüllt werden um weiter zu wandern.
Meine einzige Erklärung hir zu, die Aale besiedeln die Gewässer gegen die Strömung.
Dann müssten sie, vom Atlantik kommend durch die Nordsee zu uns gelangen.
Dann aber sollte die Fischerei auf Glasaale keinen so großen Einfluß auf die Bestände in Nordeuropa haben.

Würden sie erblich geprägt, wurden sie sich aber weiter unterscheiden, da wurden ja schon Untersuchungen gemacht.

Da muss es noch was geben,.... meiner Meinung.

Ach ja, Raubaale entwickeln sich immer dann wenn Mangel an Futter ist.
Die sind auch bei weitem nicht so fett.
Fisch ist eben Magerkost, mann wächst, aber kann keine Reserven anlegen.
Mit dem Fettgehalt hängt aber wohl das Abwandern zusammen.
Könnte ein Grund sein warum in besten Aalgewässern nur Spitzköpfe vorkommen und diese hier, nicht mal besonders groß werden.
Richtig groß werden nur Breitköpfe, wenn sie nach vielen Jahren Erfahrungen als Raubfisch mal ein gutes Jahr haben, und dann werden auch sie fett.

Das Geschlecht der Aale ist nicht bestimmt, sondern entscheidet sich erst in den ersten Jahren im Süßwasser.
Futterangebot, Wachstum und Themperatur sollen da Einfluss haben.
Klingt verrückt, ist aber bei Fischen nicht ungewöhnlich.


Steinbeißer

Mattes
25.01.11, 23:17
Hi Steinbeißer,

danke für das Lob. Es hat zwar Mühe gekostet die Informationen zusammen zu tragen, aber dennoch basieren sie auf angelesenes Wissen und rein theoretischen Erfahrungsaustausch.

Weder bin ich Zoologe noch Wissenschaftlicher. Also bleibt mir auch nur zu spekulieren.

Der Geruchssinn spielt aus meiner Sicht auch eine große Rolle für das Aufstiegsverhalten. Die Frage ist, ob sie zudem noch eine Art genetischen Impuls bekommen. Entgegen anders lautenden Meldungen, sollen sie ja durchaus dazu in der Lage sein, im Golfstrom aktiv zu steuern, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt, auch wenn erst kurz vor Ende der Reise.

Zur "Füllung" der Habitate sehe kein reihenmäßig angelegtes Belegen, sondern ein tröpfelndes. Ein steter Anstieg der Anzahl, bis irgendwann die Duftmoleküle der Maße signalisiert: Dieses Habitat ist gesättigt.

Die Sache mit dem "Verschwimmen" wird ganz komplex. Wir wissen ja nicht welche Dynamik ein Glasaal zu verwirklichen mag, um seinen Ausstiegspunkt abzupassen. Noch weniger wissen wir, wie es sich anfühlt in einem verdiffteten Strom zu reisen. Es reicht ja aus einen Jahrtausende währenden Rhythmus leicht zu irritieren und es kommt etwas ganz anderes dabei heraus. Man möchte an dieser Stelle fast philosophisch werden.

Die Glasaalfänge vor den anderen Küsten sind ja nicht stabil geblieben. Ohne Zahlen zu kennen, müssen auch sie mit stark zurück gegangen Fängen klar kommen. Ob dies nun in der Verdrifftung zu suchen ist oder an der allgemeinen Lage? Keine Ahnung.

Es ist und bleibt ein höllisch spannendes Thema.

Georg
26.01.11, 21:08
Das Wanderverhalten von Fischen und deren Orientierungsmöglichkeiten sind bisher nur unzulänglich erforscht, um so spannender ist die Suche nach entsprechenden Informationen.
Es hat sich in letzter Zeit viel getan, bei Lachsen konnte nachgewiesen werden, das sie sich anhand des Magnetfeldes orientieren können, Junglachse orientieren sich beim abwandern neben den Strömungsverhältnissen auch an Temperaturdifferenzen.
Der Geruchssinn ist beim Aal zwar stärker (vermutet) ausgeprägt als bei anderen Fischen, jedoch sollten die verbleibenden Möglichkeiten zur Orientierung, ein paar hatte ich oben schon genannt, nicht ausgeschlossen werden.
Es bleibt ein spannendes Thema!

Mattes
26.01.11, 21:33
By the way, wo Georg es gerade noch mal schreibt. Die meisten Artikel, die hier vom Team geschrieben werden, gehen in der Regel noch mal über die Bildschirme aller im Team. Es werden Korrekturen vorgeschlagen und Ergänzungen eingefügt. Somit ist es oft eine Teamarbeit, die das Ergebnis prägt. Das Lob muss also dem Team gelten.

Albert
14.09.11, 19:11
Habe interessante Infos über den amerikanischen, japanischen und europäischen Anguilla gefunden:

das-geheime-leben-der-aale (http://www.nationalgeographic.de/reportagen/das-geheime-leben-der-aale)

Mattes
14.09.11, 20:37
Danke Albert,

schöner Lesestoff. Nur schade, dass Aalgeschichten nie mit einem Happy-End aufhören.

Mattes
10.10.11, 18:07
Habe dem Aalportrait nun eine Übersicht seiner inneren Organe spendiert.

Dem vorausgegangen waren einige Fragen, die sich mir stellten.

Zum einen, ob die Leber geschädigt ist, da diese schwarze Punkte an der Vorderseite aufweist und zum anderen die Form. Ist es normal, dass die Leber eingekerbt ist.

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Weiterhin haben mich die kleinen Bläschen am Schwimmblasengang und unterhalb der Schwimmblase vor die Frage ihrer Funktion gestellt.

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Ich habe diese Fragen an Herrn Mock vom LANUV gereicht und heute Antwort erhalten.


Sehr geehrter Herr David,

mein Kollege Gerd Feldhaus bat mich, Ihre Fragen bezüglich der Organveränderungen beim Aal zu beantworten.
Die Bläschen sehe ich auch zum ersten Mal, vermutlich handelt es sich aber nicht um irgendwelche parasitären Cysten, sondern lediglich um Gewebe- bzw. Fettablagerungen.

Eine Einkerbung der Leber ist auch relativ selten, kommt aber auch bei anderen Fischarten ab und zu vor. Die Blutungen in der Leber (schwarze Punkte) können mit dem Anguillicola-Befall in Zusammenhang stehen. Häufig kommt es durch den Schwimmblasenwurmbefall zu Sekundärinfektionen durch Bakterien in der Schwimmblase oder auch in der Leber.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zufriedenstellend beantworten.

Mit freundlichen Grüßen
D. Mock
LANUV NRW
Fachgebiet 26 - Fischereiökologie -
Fischgesundheitsddienst



Scheinbar kann Anguillicoloides crassus die Organe stärker schädigen, als ich bisher dachte.

Zu den Bläschen: Im "Leitfaden für den Körperbau der wichtigsten mitteleuropäischen Süßwasserfische" von Jens Lehmann (1991) steht "Schwimmblasengang, leicht blasenartig erweitert".

Ist mit blasenartig erweitert nun der Formübergang zur Blase an sich gemeint oder beschreibt er hier diese Bläschen? Dann aber müsste auch Herr Mock sie kennen.

Hat jemand noch andere Darstellungen der inneren Organe des Aal vorliegen (außer Tesch - Der Aal)?

Thomas
10.10.11, 18:21
Zu den Bläschen: Im "Leitfaden für den Körperbau der wichtigsten mitteleuropäischen Süßwasserfische" von Jens Lehmann (1991) steht "Schwimmblasengang, leicht blasenartig erweitert".

Ist mit blasenartig erweitert nun der Formübergang zur Blase an sich gemeint oder beschreibt er hier diese Bläschen? Dann aber müsste auch Herr Mock sie kennen.

Die initiierbare Erweiterung des Ductus pneumaticus dient den Aalen akzessorisch zum bestehenden Vermögen der Hautatmung, also der Sauerstoffversorgung des Körpers in Gesamtbilanz, Mattes.

Georg
10.10.11, 18:38
... wobei diese grobblasige Struktur durchaus auch auf einen fehlenden Druckausgleich zurückzuführen sein könnte, zumal sie direkt am ductus pneumaticus liegt. Hast Du diesen Aal mit der Angel gefangen Mattes? Wenn ja, wie lang war die Drillzeit?

Die Leber sieht mir sehr homogen aus, trotz der Segmentierung, ob es sich wirklich um Einblutungen handelt, es können auch anderweitige Einlagerungen sein, könnte man in ein oder zwei Querschnitten besser beurteilen. Auf den ersten Blick sieht sie aber blande/unauffällig aus.

Mattes
10.10.11, 18:45
Fehlender Druckausgleich dürfte nicht der Grund sein, Georg. Der Aal, den ich mit der Angel gefangen habe, habe ich - wie immer - ufernah in einem halben Meter Tiefe aufgegriffen. Die Drillzeit ... gefühlt 3 Minuten, realistisch vermutlich eine.

Querschnitte sind nun nicht mehr möglich.

Im kommenden Jahr wird noch ein "Opfer" fällig, um meinen Auflagen nachzukommen. Da werde ich dann noch Mal gewissenhafter arbeiten.

Thomas: So steht es auch in meinen Unterlagen beschrieben. Ob tatsächlich diese Bläschen damit gemeint sind?

Albert
29.01.12, 14:25
Habe das im Schulbuch meines Großvaters über den Aal gelesen. :hmm:

Quelle: Deutsches Realienbuch; Geschichte,Erdkunde,Naturgeschichte,Physik,Chemie und Mineralogie.
Nr. 1 Vollständige Ausgabe für evangelische Schulen,
Ausgabe A 1912 von Kahnmeyer und Schulze
Preis :2,20 Reichsmark

3136

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Steini (verstorben am 06.09.2019)
29.01.12, 15:00
Erstaunlich, heute ist das alles Grundwissen.:hmm:
Das lernt man eben von den Eltern, oder wenn die es auch nicht wissen....

Gut wenn man erklären kann, wie der Stoffwechsel in Bäumen abläuft.
Wenn man aber weder weiß was Bäume sind noch die Arten kennt, etwas sinnfrei..
Ich hatte mal meine Großmutter gefragt welche heimischen Fischarten, Tiere, Bäume sie kennen würde.
Die lebte in Bremen, nur in Bremens Innenstadt und war etwas später geboren.
Verdammt, die hatten doch tatsächlich die heimischen Arten auswendig lernen müssen.
Nationales Denken hatte eben auch etwas für sich.
Heute bilden wir weltfremde Spezialisten aus, Zusammenhänge können die nicht verstehen.
Müssen Sie auch nicht, Sie sollen ja global denken und einsetzbar sein.

Mattes
30.01.12, 11:37
Wenn ich lese, was man 1912 schon alles über den Aal wusste, da staune ich schon. Den Vergleich zum Oleanderblatt finde ich sogar näher dran, als den zur Weide.

Unvorstellbar wird es für uns alle bleiben, eine solche Vielzahl an Glasaale zu erleben. Zeigt doch diese Zahl, wie bedrohlich es um ihn steht und wie unerreichbar es sein wird je einen solchen Zustand wieder herzustellen.

Gangfisch
30.01.12, 20:36
Hallo Mattes,

finde besonders erschreckend, dass bei mir im Verein noch Mitglieder rumspringen, die aus eigener Beobachtung schildern können, wie die Glasaale (als einziger Wanderfische überhaupt) in großer Zahl auch den Rheinfall überwunden haben. Bleibt wirklich zu hoffen, dass sich die Entwicklung hier nochmal zurück drehen lässt und wir inzwischen den Boden bei den Bestandszahlen erreicht haben.

Zum Thema Aale gibt es übrigens eine interessante Neuerscheinung vom VDFF: "Fischereiliche Bewirtschaftung des Aals in Deutschland. Rahmenbedingungen, Status und Wege der Nachhaltigkeit."

Heft 16, 2011, ISSN 0944-7881

Grüßle, der Gangfisch

Albert
30.01.12, 21:36
Zitat:
Aus Pisa wird berichtet, das innerhalb von 5 Stunden 3 mill. Pfund Glasaale gefangen wurden.

Wahrheit oder nicht ? Hat mich zum suchen im Web veranlaßt. Nur das gefunden.

Aalseite (http://www.mild-online.de/Aalseite/WahrheitoderMaerchen/wahrheitodermaerchen.html)

Mattes
31.01.12, 18:54
Scheinbar ein Übersetzungsfehler des Begriffes "Mill." Italienisch Mille für Tausend!


So gibt u. a. der alte italienische Naturforscher
F r a n c e s co R e di an, daß man 1667 im Arno bei Pisa
in fünf Stunden weit über 3000 Pfund Aalbrut gefischt
habe. In der Eider bei Rendsburg wurden an e inem
Tage 90 Eimer, fast ganz ohne Wasser, voll geschöpft.
Es wurden dichtgedrängte Schwärme von mehreren
Hundert Metern Länge, drei bis vier Metern Breite und
bis über einen halben Meter Dicke beobachtet, und in
der Rhonemündung will man die Einwanderung in dichten Zügen 15 Tage lang ohne Unterbrechung gesehen
haben.

Dies gibt Prof. Dr. Theodor Pintner 1907 in seiner Abfassung zum Aal zum Besten.

300 Millionen Pfund und 3000 Pfund sind doch ein erheblicher Unterschied. Immerhin noch 1500 KG. Angesichts der Beschreibung der dicht gedrängten Schwärme in diesem Ausmaß, ist die Angabe nicht mehr unvorstellbar, sondern "nur" noch fantastisch.

Hier zu finden: Die Aalfrage (http://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/SVVNWK_48_0117-0143.pdf)

Aber auch er sieht im Aal noch den Aasfresser, räumt aber mit dem Irrglauben des Erbsenfressers auf.



Hier mag im Vorübergehen auf eine der fast unausrottbaren Fabeln über das Leben des Aales hingewiesen
sein. ^ Immer wieder wird behauptet, der Aal mache
nächtlicherweile Ausflüge aufs Trockene, auf Felder,
ganz besonders auf Erbsenfelder, und fresse hier die
Früchte. Wie unwahrscheinlich dies schon nach dem Gesagten über die Nahrung des Aales ist, braucht kaum
betont zu werden. Aber auch die nächtlichen Vergnügungsausflüge auf Felder überhaupt sind durchaus Fabel. Auf
überschwemmtes Gebiet wird er ja häufig kommen. Kehrt
er aber nicht rechtzeitig aus den rückbleibenden Tümpeln
in das fließende Wasser zurück, so geht er in ihnen bei
ihrer allmählichen Austrocknung elend zugrunde, denn
er findet dann den Weg zum Wasser nicht wieder auf

Hier auch die ersten Vermutungen, dass das Laichgebiet in Richtung Atlantischer Ozean zu liegen scheint:


Die Dänen
nun sagten sich: Da die Wanderrichtungen der Aale des
Festlandes nach dem Atlantischen Ozean weisen, so
müssen die Leptocephalen auch dort zu finden sein, und
wenn man sie bisher dort nicht gefunden hat, so kann
die Ursache nur darin liegen, daß man nicht gründlich
genug, nicht an der richtigen Stelle und nicht zur richtigen
Zeit nach ihnen gesucht hat

Albert
31.01.12, 22:15
Scheinbar ein Übersetzungsfehler des Begriffes "Mill." Italienisch Mille für Tausend!

Gehe mit "Scheinbar" voll mit.:hmm:
1,5 Tonnen in 5 Stunden ist wirklich schon eine Menge, welche wir kaum raffen können.
Auch könnten größere Steigaale zu den Gewicht beitragen.

Danke Mattes !

Mattes
17.02.12, 09:06
Tewi und ich haben Bilder am Rechner angesehen. Dabei ist ihm etwas aufgefallen.

Wenn ich mir die Aal-Schwanzflosse aus dem Gedächtnis vor Augen führe, sehe ich einen Flossensaum, der am Körperende spitz zuläuft.

Rufe ich die Bilderseite bei Google auf, wird der überwiegende Teil auch so dargestellt:

Aalschwanzflosse bei Google (http://www.google.de/search?q=Aal&um=1&ie=UTF-8&hl=de&tbm=isch&source=og&sa=N&tab=wi&ei=GBk-T7fJGMfXtAb3mbzDBA&biw=1440&bih=753&sei=Gxk-T7WhEM3xsgbUv824BA)

Ein Zufallsbild eines Aals, dessen Schwanz aus einer Reuse ragt, zeigt aber eine ganz andere Form. Erst dachten wir es wäre gar kein Aal. Dass es aber einer war, weiß ich ziemlich genau, da ich die Tiere schließlich selber entnommen habe.

3197

3196

Werde von nun an mal mehr darauf achten, ob dies eine anatomische Abweichung ist oder die Schwanzflosse in der Literatur falsch wiedergegeben wird. :Klatsche:

Gangfisch
17.02.12, 10:01
Hallo Mattes,

da fallen mir spontan zwei Fragen ein:

Habt Ihr da in der Gegend Atomkraftwerke?

oder

Flusspferde?

Spaß bei Seite: Sieht für mich nach einer älteren Verletzung aus. Dafür spricht auch, dass der Flossensaum vor der breiten Stelle ein Stück weit unterbrochen ist.

Ich hatte jedenfalls noch nie so einen "Schleierschwanz" an der Angel. Wenn Du bei Deiner Google-Bildersuche übrigens nur "Aal" verwendest, hast Du mehr brauchbare Treffer.

Petri, bzw. eigentlich gerade "Ho Narro"

Gangfisch

Mattes
17.10.13, 21:43
Die Schwanzflossenform scheint so selten nicht zu sein. Habe letzte Woche wieder einige Aale in den Rhein umsetzen können und dabei ist mir diese Kandidatin aufgefallen.

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Thorsten
19.10.13, 20:54
Ich rede jetzt mal ganz frei ins Blaue hinein.
Beide Aale waren recht stattlich und Weibchen. Kann es nicht sein, dass sich die Schwanzflosse der Aale ändert, wenn Sie den Wandertrieb in Richtung Sargasso empfinden? Als Antrieb würde eine vergrößerte Flosse Sinn machen bei solch einer Wanderung. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Form der Flossenänderung bei abwandernden Aalen bisher noch nicht beschrieben worden wäre.

Mattes
19.10.13, 23:18
Komisch, dass das Naheliegendste einem so gar nicht in den Sinn kommen wollte. Natürlich Thorsten, das könnte ein Grund sein. Was nützen Augen und Schwimmblase in der Tiefsee, wenn die "Ruder" stumpf sind. Das Tier würde durch jeden mm zusätzlicher Flossenbreite enormen Antriebsgewinn erzielen. Mit jeden Meter, bei denen sich die Kontinente weiter von einander entfernen, musste der Aal nachlegen, um sein Laichgebiet zu erreichen. Zu Zeiten Pangäas lag das Gebiet quasi vor der Haustüre. Mit der kontinentalen Wanderung entfernte es sich weiter und weiter. Der Körper musste sich der Entwicklung immer weiter anpassen. Die Flossen dabei auszulassen wirkt fast unlogisch.

Markant ist ja auch der Flossendorn. Bei den Lachsen gab es doch die Vermutung, dass die Ausprägung der Fettflosse Einfluss auf die Bewerber bei der Paarung ausüben solle. Möglicherweise könnte sich also auch eine Deutung in dieses Richtung ergeben.

Bleibt auch die Frage, ob es nicht auch eine Überentwicklung (von Körperteilen) über den Zenit hinaus gibt. Also eine Veränderung, die sich über die Zeit hinaus weiterentwickelt. Die erste Phase der Metamorphose beginnt unabhängig von der Wahrnehmung der Hormone anderer "freier" Aale. Also Augen, Farbe und nun ggf. Flossen. Dies passiert scheinbar altersbedingt. Der Rest wandelt sich erst während der tatsächlichen Abwanderung. Sonst würde ein eingesperrter Aal ja schnell verhungern, so ganz ohne Verdauungsapparat. Stoppt die Wandlung bei Erreichen eines bestimmten Stadiums oder geht sie munter weiter bis zur abnormen Verformung? Die Natur kann ein eingesperrtes Individuum ja kaum genetisch berücksichtigt haben, es kann seine Gene ja nicht weitergeben. Der Fall ist ihr nicht bekannt. Eine Darwinsche Sackgasse.

Albert
20.10.13, 16:22
Ich rede jetzt mal ganz frei ins Blaue hinein. .

Vielleicht ist diese markante Schwanzflossenausbildung erst der Startschuss für die Tiere zur Wanderung in die Sargassosee. Dann wäre eventuell die
Vollkommenheit für die Reise gewährleistet.
Ich denke da auch an Fischarten, welche große Strecken in den Ozeanen zurücklegen wie verschiedene Thune und Schwertfisch, die tausende Kilometer wandern um zu bestimmten Zeiten an Futterplätze (Sardinen) oder Laichplätze zu gelangen. Mit einer abgerundeten Schwanzflosse wäre das kaum möglich.
Dass solche Aale in geschlossenen Gewässer weiterfressen um zu leben ist aber auch ein Fakt. Der Verdauungstrakt benötigt als Signal unter Umständen vielleicht Salzwasser.
Vielleicht, Vielleicht... Bilder bei Google von Blankaalen zeigen das nicht. Ist schon komisch.

Gerade fällt mir ein, dass ich am Samstag, den 16. März bei der Fachtagung "Fischartenschutz & Gewässerökologie" in der Mittagspause mit
Herrn Dr. Andreas Müller-Belecke und Herrn Erik Fladung von Institut für Binnenfischerei e.V. , Potsdam-Sacrow an einem Tisch saß und ihnen
von den vermutlich über 30 Jahre alten Aalen bei Mattes erzählte.
Verbunden mit der Frage, ob diese Tiere noch für die Wanderung und der Teilnahme am Laichgeschäft fähig sind. Die Frage wurde bejaht,
schlüssige Gründe für gesunde Aale dagegen gäbe es nicht.
Mattes, da wurde ich von Herrn Fladung gefragt, ob man dem Institut ein, zwei Tiere für Forschungszwecke (am besten lebend) überlassen könnte.
Dass ich das vergessen habe :Klatsche:
Muss am Job liegen.

Steini (verstorben am 06.09.2019)
20.10.13, 20:57
Verbunden mit der Frage, ob diese Tiere noch für die Wanderung und der Teilnahme am Laichgeschäft fähig sind. Die Frage wurde bejaht,
schlüssige Gründe für gesunde Aale dagegen gäbe es nicht.

.

Warum sollte der Nachwuchs dieser Alt-aale nicht gesund sein?
Normal ist es, dass sie nahrungsabhängig geschlechtsreif werden.
Normal ist es für Aale aber sicher auch in Hochwassergebieten, auf unregelmäßige Abwanderungsmöglichkeiten warten zu müssen.
Besonders dort in den Altgewässern finden sie ja Bedingungen um besonders groß zu werden, auch weil dort viel weniger Aale hineingelangen.
Da werden sie sich halt längst angepasst haben.
Dass Sie Geschlechtsreife und Tod so lange aufschieben können, beweist, dass es erfolgreich ist, sonst hätte es ja keine solche Anpassung gegeben.

Wäre interessant, ob die künstlich zur Laichreife gebrachten Aale in Dänemark auch solche Flossen bildeten.
Nachtrag:http://www.pro-eel.eu/

Albert
20.10.13, 21:47
Nicht richtig interpretiert von mir Steini.
Schlüssige Gründe für (abwanderungswillige) gesunde Aale dagegen gäbe es nicht.
Über gesunden Nachwuchs dieser Altaale haben wir zum Mittagstisch nicht gesprochen.

Mattes
20.10.13, 22:58
Grüße an Herrn Fladung, Albert. Wenn es einen plausiblen Grund gibt, rufe ich gerne bei Wilmes an, bring die Reusen aus und am Folgetag kann es sich über einen oder mehrere fast 40 Jahre alte Aale freuen. Derzeit vertrete ich jedoch die Sicht, dass das einzige vertretbare Ziel dieser Aale der Rhein und somit Abwanderung und Vermehrung ist. Ich in den letzten Fällen habe ich zudem auf das obligatorische Untersuchungsopfer verzichtet, weil ich es nicht mehr gut heißen kann den Ausfall auch nur eines Tieres für ein paar wenige unrelevante Daten zu akzeptieren. Ob er nun 30 oder 40 Jahre dort hockt ist mir egal geworden.

Dass das Überbringen seines Gedankens untergegangen ist ... Wie konntest du so etwas nur vergessen? :hust:

Wie schrieb Steini: (hier (http://www.gw-forum.de/showthread.php?1156-Treibaalfischerei))


Ob ein Treibaal aber nun mit 100 gr, oder einigen KG Glasaalen gleich zu setzen ist ?
So betrachtet ist jeder Blankaal aber ein Vielfaches seines Marktpreises wert.
? http://www.gw-forum.de/images/lachgesichter/gelb/1%20(159).gif ? (100 € bis 15 000 €)
Ein Preis den Räucherwaren niemals einbringen werden.

Gemessen an den Kosten der Wiederansiedlung anderer Arten (Lachs, Maifisch) ist das Kilo Blankaal (heute) wohl horrend gegenüber dem Räucheraal am Strand von Prerow. Ich sehe diese Schätze als das Potenzial der Natur an, auch Jahrzehnte später nach einer existenziellen Bedrohungen einer Art, noch mal ein As im Ärmel zu haben, so sie sich denn in einer Gegend befinden, die irgendwann mal wieder überflutet wird.

Albert
21.01.14, 16:30
21.01.2014 Großbritannien/Frankreich: Wachsende Bestände beim Europäischen Aal



So wurden die TAC im südwest-französischen Adour in nur elf Tagen ausgefischt, derweil dies 2012 noch drei Monate gedauert hatte. In der Gironde wurden die zugelassenen 3,7 t in acht Tagen gefischt, 2012 hatte es noch sechs Wochen gedauert, 2011 sogar drei Monate. In Großbritannien haben die hohen Rückkehrerzahlen einen Besatz in Rekordhöhe ermöglicht: letztes Jahre konnten über eine Million Jungaale ausgesetzt werden - mehr als je zuvor

Fischmagazin (http://www.fischmagazin.de/newsartikel-seriennummer-3084-GrossbritannienFrankreich+Wachsende+Bestaende+beim +Europaeischen+Aal+.htm)

Mattes
21.01.14, 19:03
You made my day, Albert.

Hoffentlich sehen Organisationen und Energiewirtschafter dies nicht als falsches Signal. Es liegt immer noch sehr viel Arbeit vor uns.

Davon abgesehen, die bisher schönste Meldung dieses Jahres.

Lotalota (verstorben am 21.09.2019)
22.01.14, 01:28
Hallo,

noch eine Bemerkung zu der Vergrösserung des hinteren Flossensaums.
Wir fangen der Fangstation ECI jährlich mehrere hundert Aale beim Abstieg.
Eine solche Auffälligkeit haben wir noch nie beobachtet.

Für den maritimen Bereich der Wanderung macht eine solche Anpassung aber sicher Sinn, zumal die Aale im Tag-Nachtrythmus die Wandertiefe zwischen der Oberfläche und 500m Tiefe variieren.

Eine Erklärung wäre, dass diese Anpassung erst sehr spät stattfindet und deswegen im Süßwasser in der Regel nicht beobachtet wird.
Die "Spezialaale 40+" sind aber bei ihrer Anpassung deutlich weiter als andere Aale, da sie ständig "blank" sind.

Daher zeigen sie schon jetzt Anpassungen, die für gewöhnlich erst später auftreten.

Zum Aalblut
Richtig sind die beschriebenen Folgen, wenn Aalblut in Wunden gerät.
Sehr viel gefährlicher ist es aber, wenn Aalblut ins Auge gerät. Das hat sofortige, heftige Sehstörungen zur Folge. Danach kann eine temporäre Blindheit auftreten, in schweren Fällen kann das auch zur völligen Erblindung führen.

LL

Jürgen W aus T
22.01.14, 12:35
Das ist mal eine erfreuliche Meldung von Albert, dennoch haben wir viel Arbeit vor uns, wie Mattes schon sagt.
Daher möchte ich noch einmal auf das Projekt Aalbesatzgemeinschaft Ems hinweisen, hier werden im großen Masstab Farmaale in die Zuflüsse der Ems und in die Ems besetzt. Die Konsequenz der Arbeit der letzten Jahre ist, das wir in unseren Bächen jetzt wieder einen Unterbau haben, soll heißen, es werden auch kleine Aale gefangen und nicht nur die Großen, wie die Jahre zuvor. Ist natürlich nicht repräsentativ, aber schon ein deutliches Anzeichen.

Wer als Gewässerwart (Verein) Interesse hat an der Besatzgemeinschaft, ob Beitritt oder Kopie bei anderen Flussystemen, darf sich gern bei mir melden. Helfe gern bei Kontakten.

Gruß Jürgen

Albert
22.01.14, 22:01
Das ist mal eine erfreuliche Meldung von Albert,



He he, war mir nicht so bewusst sonst unerfreulich rüberzukommen.

Albert
24.01.14, 14:52
Auch einer der vielen Gründe!?


Kräftige Strömung
In Jahren mit einer kräftigen Westströmung können die Larven vom Laichgebiet aus in wenigen Wochen den Golfstom erreichen, der sie dann in Richtung Europa treibt. Bei ungünstigeren Verhältnissen dagegen muss der Aalnachwuchs einen längeren Weg durch die Karibik nehmen. Das senkt die Überlebensrate und dementsprechend auch die Anzahl derer, die es bis an unsere Küsten schaffen. Das Modell zeigt: Anfang der 1980er-Jahre herrschten mehrere Jahre lang ungünstige Wanderbedingungen – genau zu Beginn des Aalschwunds. Dies dürfte der Auslöser des Rückgangs gewesen sein, Überfischung und andere negative Einflüsse haben den Abwärtstrend anschließend wahrscheinlich verstärkt, meinen die Forscher.


Der Standard.at/Kollaps-auf-dem-weiten-Weg-nach-Europa (http://derstandard.at/1385172164989/Kollaps-auf-dem-weiten-Weg-nach-Europa)

Georg
02.02.14, 10:13
Besatz mit Glasaal oder Farmaal?
Zu diesem Thema gibt es eine Präsentation des Institutes für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow:

Wachstum und Überlebensrate von Glas- und Farmaalen nach dem Besatz von Seen (http://www.lsfv-nds.de/images/downloads/vereinshilfen/wachstum_und_ueberlebensrate_von_glasaalen_und_far maalen_nach_dem_besatz_von_seen.pdf)

Jürgen W aus T
03.02.14, 12:51
Tschuldige Albert war nicht so gemeint.
Zu der Studie Glas oder Farmaal, warum setzt man Aale in abflußlose Seen. macht doch irgendwie ökologisch keinen Sinn sondern ist nur Spassbesatz. Oder habe ich da was falsch verstanden.

Steini (verstorben am 06.09.2019)
03.02.14, 13:12
Die Studie wurde auf der L.V Niedersachsen H.V 2013 vorgestellt und so lange steht sie auch schon im Forum.:lachen:

Das macht zwar keinen Sinn, aber ist sehr weit verbreitet.
In diesem Fall aber ging es darum, das so etwas ja nur in Geschlossenen Gewässern beobachtet werden kann.
Sonst wandern sie halt ab, oder es kommen unbekannt viele hinzu.

Resultat:
Überbesatz und sie wachsen kaum noch.
Farmaale haben es ungleich schwerer sich einzufinden.(Zuchtfische anderer Arten, werden es noch schwerer haben)
Bei Futtermangel, ist es nachteilig für die Aale schon größer besetzt zu werden.
Fast alle Farmaale wurden zu Weibchen, trotz Ihrer geringen Größe und ihrem teilweise schlechteren Wachstum.

Etwas fehlt halt immer noch, erhöht das Aussetzen der Farmaale die Überlebenschance ?
Sonst kann man besser gleich Glassaal besetzen.
Es ist wie immer, die Natur hat halt erprobt in welcher Größe Aale das Süßwasser am erfolgreichsten besiedeln können.

Jürgen W aus T
03.02.14, 13:19
Ok die Wissenschaftler haben bestimmt belastbare Versuche gemacht. Aber wie schon gesagt ist bei uns der Effekt sicherlich positiv mit dem jährlichen Besatz an Farmaalen, wie ich oben schon einmal bemerkt habe / gute Größendurchmischung.

Edit: wie setzen nur in Bächen und Teichanlagen die von Bächen durchströmt werden, die Teichanlagen stuft die ULB als Fließgewässer ein

Mattes
10.02.14, 14:41
Die Aalflosse lässt mir keine Ruhe. Ich habe mal ein paar Experten angeschrieben.

Herr Feldhaus vom LANUV hat diese Veränderungen noch nie gesehen und die Mail an die Experten weitergereicht.

Herr Fladung vom IGB schrieb mir Folgendes zurück:
(Die Veröffentlichung dieser Mail geschiet mit Zustimmung und Wissen von Herrn Fladung)


Hallo Herr David,

durch unsere mittlerweile mehrjährigen Aalforschungen haben wir einen ganz guten Überblick über die einschlägige Aalliteratur. Weder aus der aktuellen noch aus der älteren Literatur sind uns Publikationen oder Berichte über die von ihnen geschilderten Veränderungen der Schwanzflosse bekannt. Selbst Forschergruppen, die sich intensiv mit der Blankwerdung und Vermehrung von Aalen beschäftigen, haben über solche Veränderungen bislang nicht berichtet. Daher gehen wir erstmal nicht davon aus, dass es sich dabei um Veränderungen im Zuge der Metamorphose zum Blankaal handelt.

Weitere Erklärungsansätze für die beobachteten Schwanzveränderungen könnten auch länger zurückliegende Schwanzverletzungen durch ungünstige Haltungsbedingungen (bei Besatzaalen), durch Raubtiere oder Wasserkraftturbinen oder Schwanznekrosen infolge von Krankheiten und/oder Verletzungen sein. Zumal es offensichtlich auch nur einige Tiere betrifft. Vielleicht können Sie uns ja mal ein entsprechendes Tier bzw. Schwanzstück zukommen lassen, damit wir es genauer untersuchen können ?

Der Frage, ob es sich nicht doch um ein (spätes) Merkmal fortgeschrittener Blankaalwerdung handelt, könnte man sich vielleicht auf folgendem Weg nähern:

· Zum einen wäre es interessant zu wissen, wie viele Tiere einer Grundgesamtheit (z.B. eines Gewässers) es überhaupt betrifft. Dazu wäre es erforderlich, zukünftig bei allen gefangenen Aalen zu dokumentieren, ob sie eine solche Schwanzveränderungen aufweisen.
· Zum anderen müssten nach dieser Hypothese Aale im fortgeschrittenen Blankaalstadium häufiger eine solche Schwanzveränderung aufweisen als Gelbaale (Fressaale) oder Aale am Beginn der Blankwerdung. Die beigefügte Literatur beschreibt (in Englisch) die Blankaalstadien von männlichen und weiblichen Aalen sowie die Merkmale zu ihrer Unterscheidung. Um das jeweilige Blankaalstadium nach Durif et al. (2009) berechnen zu können, muss man die Körperlänge (Totallänge) sowie die Brustflossenlänge und den Augendurchmesser des Tieres (am besten mittels Schieblehre) messen und das Geschlecht bestimmen. Als grobe Faustformel für die (externe) Geschlechtsbestimmung mag gelten, dass es sich bei Aalen > 55 cm mit hoher Wahrscheinlichkeit um Weibchen und bei Aalen < 45 cm um Männchen handelt. In der beigefügten Literatur ist in Bildern dargestellt, wie die genannten Merkmale zu messen sind. Wenn man nun aus (möglichst einem Gewässer) für 2 Gruppen (mit bzw. ohne Schwanzveränderung) a 20-40 Tiere das Blankaalstadium bestimmt, kann ein statistischer Vergleich der beiden Gruppen zeigen, ob die Gruppe der Aale mit Schwanzveränderung ein durchschnittlich höheres Blankaalstadium aufweist als die Gruppe der „normalen“ Aale, was dann ihre Hypothese stützen würde.

Mit besten Grüßen

Erik Fladung

************************************************** ******
Erik Fladung
Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow


Da die Bilder der Tiere, die ich versendet habe aus zwei verschiedenen Gewässern stammen und dort kein Zu- oder Abfluss vorhanden ist, fallen einige Argumente schon mal aus.

Bleiben: Schädigung während der Hälterung, Prädatoren oder Nekrosen.

Mir bleibt nicht viel anderes übrig, als der Untersuchungsanweisung Folge zu leisten und in diesem Jahr sehr genau hinzusehen. Mit dem Eigentümer eines dieser Gewässer wurde bereits grünes Licht für diesen Sommer gegeben. Ich darf also noch mal ran.

Gerade hat sich noch Dr. Wysujack von Thünen-Institut für Fischereiökologie per Mail gemeldet. Auch von dort kam ein Kopfschütteln. Die Bilder werden auch dort weitergereicht an die Experten.

Möglicherweise haben wir hier im GW-Forum ein neues Stadium des Aals entdeckt. :shock: Aber ich will mich mal nicht zu früh freuen. Warten wir den Sommer ab.

Thorsten
10.02.14, 18:16
Hi Mattes,

es wird immer spannender mit den Aalen. Ich habe jetzt auch die gängingen Bilder im Netz verglichen. Ein paar wenige gehen in ähnliche Richtungen, aber ich habe keine gesehen, die so stark ausgeprägt waren.

Nekrosen halte ich für unwahrscheinlich. Dann müsste die Flosse im Ausgangszustand noch größer gewesen sein. Generell scheint es bei beiden Aalen eine sehr symmetrische Form zu sein. Bei Prädatoren und Hälterung würde ich im beschädigten Bereich Wulste ähnlich einer Vernarbung erwarten und symmetrisch wären sie auch kaum.

Mattes
10.02.14, 18:57
Ich habe genau die gleichen Ansätze wie du entwickelt, Thorsten. Aber wenn das alles nicht zutrifft, bleibt ja nur der letzte Metamorphoseschritt und dies kann ich nicht glauben, angesichts der wissenschaftlichen Front, die diese Dinge verfolgt. Wie kann so etwas nicht dokumentiert sein?

Thorsten
10.02.14, 20:04
Ich denke nicht, dass es generell bei der Metamorphose auftritt. Möglicherweise eine genetische Varianz.
Auch bei Wissenschaftlern bleiben hin und wieder Dinge unbeschrieben, weil Sie sie z.B. für selbstverständlich halten oder sich keine Gedanken dazu machen, weil Sie nach etwas anderem suchen.

Ist eigentlich bekannt, ob Aale beim Wandern in die Flusssysteme wieder die Gewässer aufsuchen, aus dem Ihre Eltern stammen? Ich denke dabei in Richtungen wie beim Lachs- nur wie sollten Sie die Information über Ihre Elterntiere erhalten? Spontan weiß ich nur, dass Sie ja durch Ihren Geruchssinn Gewässer aufsuchen, die noch "Reserven" für Aale bieten.

Ich verstricke mich gedanklich gerade in viele Hirngespinste, was die Ursache sein könnte. Wir wissen einfach zu wenig über den Aal und seine Fortpflanzung.

Mattes
10.02.14, 21:58
Wäre dass dann nicht ein allochthoner Aal, Thorsten?

Die Genetik des Aals empfinde ich als "solide" Sache. Alle Tiere Europas und (ggf. Amerikas ?) haben in der Karibik ihr Stelldichein. Gene werden quasi durch die ganze Population gestreut. Ich glaube die genetische Entwicklung muss man beim Aal anders betrachten.

Nun, ich bin ein zu unwissender Laie, um dieses Fragen fachlich richtig zu betrachten.

Das mit dem Heimathabitat hatten wir doch irgendwann schon mal besprochen ... müsste noch bei den Niersfischern gewesen sein.

Steini (verstorben am 06.09.2019)
10.02.14, 23:26
Alle Tiere Europas und (ggf. Amerikas ?) haben in der Karibik ihr Stelldichein. Gene werden quasi durch die ganze Population gestreut.


Mattes Hier wird beiläufig erwähnt, dass es so nicht ist.
http://www.gw-forum.de/showthread.php?1707-Widrige-Meeresströmungen-Die-unglaubliche-Reise-der-Aale&p=17443&viewfull=1#post17443

Wenigstens die Weibchen scheinen das möglicherweise nicht zu tun.
Da das Geschlecht aber zunächst nicht feststeht, könnte man auch einfach die erfolgreicheren größeren Aale schreiben.
Wie sich das aber genetisch beweisen lässt bei einer Art, wo beiderlei Geschlecht zunächst möglich ist, also auch vererbt wird ?

Lotalota (verstorben am 21.09.2019)
10.02.14, 23:40
Hallo Mattes,

alle unsere Aale laichen in der Sargassosee, das ist Fakt.


Man darf sich das aber nicht als eine einzige Aal-Massenhochzeit vorstellen.


Die jeweiligen Populationen bleiben unter sich und laichen in verschiedenen Bereichen der Sargassosee.
Dabei handelt es sich um genau die Bereiche, in denen bereits das Muttertier gelaicht hat.

Ein genetischer Austausch zwischen den Populationen und Teilpopulationen findet, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Maße statt.
Zwischen den amerikanischen und den europäischen Aalen gibt es so gut wie keinen Genaustausch.
Selbst bei den europäischen Aalen gibt es genetische Unterschiede zwischen einem spanischen und einem irischen Aal.

Einen einzigen, großen Aal-Genpool gibt es nicht.

LL

Albert
11.02.14, 19:45
Hallo Lota,
Das mit der irischen und spanischen Population mag ich bezweifeln.
Ein paar Anmerkungen dazu.
1. Das Homing der Glasaale ist nicht ausgeprägt oder nicht vorhanden.
Soviel ich durch lesen weiß gehen Steigaale nach Geruchsmolekülen der
gelbaale die Flüsse hinauf. Riechen die Steigaale keine Moleküle
Im Fluss, steigen sie nicht auf.

2. Die Unterschiedliche Strömungsrictung des Golfstromes über Jahrzehnte beschert mal Norwegen
Viele Glasaale mal Spanien und Nordafrika (Mittelmeer).

Lotalota (verstorben am 21.09.2019)
11.02.14, 22:13
Hallo Albert,

da haben wir möglicherweise beide Recht.

Schau einmal hier rein.

http://www.aalfreunde.de/index.php?module=Seiten&func=display&pageid=34

Kapitel Wanderung in die Binnengewässer
Besonders die letzten 6 Absätze.

Interessante Homepage mit vielen Infos zum Aal.

LL

Albert
12.02.14, 13:12
Also Lota, jetzt bin ich leicht irritiert.
Die Seite ist wirklich interessant.

Mattes
01.07.14, 11:13
Startschuss!

Heute morgen sind meine gesammelten Reusen im Wilmes versunken. Ich darf zirka 6-8 Wochen ungehindert dort ein und aus gehen.

Im Einsatz sind die beiden doppelflügeligen Aalreusen mit je 6 Meter Leitnetz, zwei kleine Krebsreusen und 4 weitere kleine Aalreusen. Die großen blieben unbeködert, da sie quasi nur die Wanderwege absperren. Sie liegen zu a auf der großen Armleuchterwiese und zu b in der kleinen Flachwasserzone direkt vorne an. In den kleinen Reusen wird mit Hunde-Trockenfutter gelockt.

Die kleinen habe ich bunt verstreut.

Die Aufgabe ist es min. 20 Tiere mit Schleierschwanz zu erwischen und wenn vorhanden 20 ohne. Es müssen die Längen/Durchmesser vom Gesantkörper, Brustflossen und Pupillen vermessen werden. Die Schwanzflosse wird von jedem Tier fotografisch dokumentiert.

Nach Abschluss der Aktion werden die Daten dann vom IfB ausgewertet.

Ich bin höllisch gespannt.

Wie immer freue ich mich auf den Moment, wenn die Tieren das erste Mal Rheinwasser unter dem Bauch verspüren und sich vom Acker machen.

Mattes
07.07.14, 11:34
Erst bei der dritten Reusenkontrolle fand ich heute neben einer Gelbwangenschildkröte endlich einen Aal.

Auch er weist die ungewöhnliche Schwanzflosse auf: Stark verbreitert mit einem (stahlenlosen) "Flossendorn" am oberen Ende der Schwanzflosse beim Übergang zum Flossensaum.

Gesamtlänge: 85 cm
Gewicht: 1298 gr
Geschlecht: verm. w
Brustflosse: 40 mm
Pupille: 12 mm
Alter: verm. 34 + 2 = 36 (letzte Otolithenbestimmung 34 / 2 Jahre vergangen)

7184

7185

7186

Georg
09.07.14, 20:42
Gerade auf arte gesehen: Das Geheimnis der Aale
(http://www.arte.tv/guide/de/051436-000/das-geheimnis-der-aale#details-description)
Mattes, schau Dir die Flossensäume der Amerikaner mal genauer an.

Mattes
09.07.14, 23:07
Ich Idiot hab in der Fussballpause begonnen zu lesen und nun fast die 2. Halbzeit verpasst, weil ich den Film angesehen habe. Muss ich morgen weiter gucken.

Soviel aber: Der Aal, der in die durchsichtige Tüte in der Zuchtstelle wanderte war spitzzulaufend. Die danach gezeigten Zeichnugen auf den Lampen: Alle spitz.

Hats du mal ´ne Minutenangabe?

Heute waren 6 Tiere in den Reusen, alles Weibchen. Alle um die 75-80 cm. Fast alle deutliche Schwanzverbreiterung, mind. 4 Tiere mit Dornausbildung. Foto kommen später.

Habe nun eine Schleienallergie. Die treten hier echt als Massenfisch auf. Jede Leerung 30-40 Tiere.

Georg
09.07.14, 23:59
Ich Idiot hab in der Fussballpause begonnen zu lesen und nun fast die 2. Halbzeit verpasst, ...
Hast nüscht verpasst!

Minutenangabe? Muss ich morgen mal nachschauen.

Mattes
11.07.14, 21:40
Unter den 10 ersten Tieren sind drei mit völlig unauffälligen Schwanzflossen. Alle anderen haben mehr oder weniger deutliche Flossendornen. Teilweise am oberen Ende, teils an der Unterseite. Seltener an beiden Stellen. Beide Männchen gehören zu den Unauffälligen. Scheint nur bei den Weibchen so zu sein.

7187

7188 7189

7190 7192


7193 7191

Steini (verstorben am 06.09.2019)
28.07.14, 17:13
Es ist heute gar kein Problem mehr Glasaale zu beschaffen...
Das Netz macht es möglich.:ärger:
http://german.alibaba.com/goods/glass-eel-live-eels.html

Glasaale aller Arten halt.
Ob es Zufal,l ist das ich da gar nichts zu Im und Exportbeschränkungen lese.:heimtückisch:

Mattes
30.07.14, 16:13
Er IST Ware und wird immer Ware bleiben. Man könnte sich bisweilen fast ärgern, dass das Glasaalaufkommen zunimmt. Durch dieses wetterbedingte Phänomen kommen vermutlich viele auf den Gedanken, dass es ihm dann ja gar nicht so schlecht gehen kann.

Mindestabnahmemenge: 10 Tonnen!

:Flöt:

Steini (verstorben am 06.09.2019)
28.01.15, 12:24
Vorhin gefunden.

Nun meint man wohl genetisch doch 3 Aalbestände der Art unterscheiden zu können.
Einen aus Nordeuropa, einem westeuropäischen und einen südeuropäischen.
Klingt harmlos, aber es stellt vieles auf den Kopf. Es ist halt ein Beweis das der Aal sich eben doch regional unterscheidet, etwas was früher schon vermutet, aber abgelehnt wurde. Sollte sich zukünftig herausstellen, das der Aufstieg der Glasaale eben nicht zufällig sondern zielgerichtet stattfindet, muss man wohl vieles neu betrachten.

Auch schon von 2005 :lachen:
http://www.euronatur.org/uploads/media/info_aal_2005.pdf
(http://www.euronatur.org/uploads/media/info_aal_2005.pdf)Seite.4

Albert
28.02.16, 15:00
Einige meiner Notizen zum Aalworkshop am 24.02.2016 in Potsdam möchte ich hier weitergeben.

Im Hinblick auf die Abwanderung von Blankaalen:
- Mit dem Aalbestand in Weser und Ems ist eine gute Entwicklung abzusehen.
- In Eider und Rhein ist der Bestand noch zufriedenstellend.
- Elbe und Maas haben sich in der Entwicklung verschlechtert.
- Trotz großerl Besatzanstrengungen geht es im Gesamteuropäischen Raum dem Aal schlechter.
- UK fischt rund 4 Tonnen, Portugal 6 Tonnen.

Das Dilemma bei der Glasaalfischerei sind nach Mitteilungen von Willem Decker (SEG), Andrew Kerr (SEG) und Alexander Koelewijn (DUPAN NL)
die Exporte nach Asien.
Ja, es gibt immer noch einen großen Glasaalexport nach China, Japan und andere asiatische Länder.
Frankreich fischt rund 30 Tonnen legal und 30 Tonnen illegal, welche schnell vom Radar verschwinden. Vermutet wird, das die Glasaale nach Spanien wandern,
jedoch exportiert Spanien nur wenig gefarmte Aale. Chinesische Händler kaufen alles auf was zu bekommen ist. Das kam raus weil diese Mafia Rechnungen
nicht bezahlte und Anzeigen eingingen.
Auch Ägypten und Libyen sind bei Glasaalfischerei aktiv, aber niemand weiß um die Mengen.
2013 bis 2015 gehen p.a. über 20 Tonnen Glasaale nach Asien!

Wenn man bedenkt, das mit 1 Tonne Glasaale rund 300-500 Tonnen adulte Tiere durch die Natur erreicht werden können, sollte das Exportverbot, welches ja besteht,
auch umgesetzt werden.

Laut ICES sollte aller Fang vom Glasaal bis zum Blankaal alles eingestellt werden.
Cites will den illegalen Handel trockengelegt haben.
Der IUCN sieht beim Aal kritische Bestände.
Der WWF sagt "Aal essen ist wie Panda verzehren"

Dem japanischen Aal Anguilla japonica geht es übrigens ganz schlecht.

Steini (verstorben am 06.09.2019)
07.08.16, 11:19
Durch die mit Sendern ausgestatteten Aale kommen nun langsam neue Fragen auf.
So wie Tesch schon schrieb wandern sie doch viel mehr hin und her als man denkt.
Sie sind halt keine programmierte Roboter, sondern flexible Lebewesen.


Hier ein Bericht: http://www.av-nds.de/aktuelles/559-woher-kommt-aal-300041.html
Wobei auch bei uns schon ein solcher Aal gefangen wurde der aus einem der Migromaten stammte, und dann eben doch noch nicht abwandern wollte.
Andere irren verzweifelt in Kanälen umher und finden den Abstieg wohl nicht.

Alles nicht ganz so einfach, wie Otto-Normal-Mensch denkt.

UMueller
07.08.16, 16:50
Wieso nimmt man einen Aal aus der Mosel, besendert ihn, um ihn dann in der Diemel schwimmen zu lassen. Was will man da für Rückschlüsse gewinnen.:kratz: Für mich macht das nur Sinn wenn man den Aal auch in dem Fluss-System beläßt wo man ihn entnommen hat und ihn dann an gleicher Stelle wieder schwimmen läßt. Einen Aal aus der Mosel in das Wesereinzugsgebiet zu setzen macht für mich als Laie daher keinen Sinn. Das ein Aal aber durchaus hin und her wandert und auch seine Einstände wiederfindet (im Bach ist er ja darauf angewiesen) sollte auch ohne Sendermarkierung bekannt sein.

UMueller
13.08.16, 19:53
Wenn es nun tatsächlich stimmt das dieser besenderte Aal von der Diemel kommt, hätte er acht ! Wasserkraftwerke passiert. Also Wasserkraft garnicht so schlimm ? Oder hatte dieser Aal nur das Glück zu den wenigen Prozent zu gehören die da unbeschadet durchkommen ? Liegt es vielleicht auch am Turbinenmanagement der Statkraft ( Migromat )?

Albert
08.12.17, 22:10
Aktuell:

Aus Anlass der prekären Lage des europäischen Aalbestands hat die EU Kommission am 29. August
2017 für 2018 ein totales Aalfangverbot in den EU-Gewässern der Ostsee vorgeschlagen (EC, 2017a). Diesem Vorschlag folgte der Rat der EU-Fischereiminister
jedoch nicht, sondern sie forderten am 10. Oktober 2017 EU-Kommission auf, bis zum Fischereirat im Dezember 2017 einen umfassenden Vorschlag vorzulegen, der alle EU-
Gewässer umfasst und der auch die Anstrengungen der einzelnen Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer nationalen Aal-Managementpläne (im Folgenden: AMPs) berücksichtigt
(BMEL, 2017). Mit Verweis auf die wissenschaftlichen Empfehlungen, jegliche Fischerei auf Blankaale einzustellen, bis eindeutige Nachweise einer Bestandsverbesserung vorliegen,
weitete die EU-Kommission ihren Vorschlag eines Aalfangverbots am 7. November 2017 auf alle EU-Gewässer aus (EC, 2017b). Dazu werden die Fischereiminister der
Mitgliedstaaten auf der Tagung des Fischereirats am 11. und 12. Dezember in Brüssel diskutieren und einen Beschluss fassen.

Pro Aalfangverbot Fischer und Angler:
Siehe PDF Pressemitteilung WWF und Link:

wwf.de/intergrundpapier-Europaeischer-Aal.pdf (http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Hintergrundpapier-Europaeischer-Aal.pdf)

Kontra Aalfangverbot:


Die Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. (IFEA) ist der deutsche Verband der Aal-Händler und Aal-Züchter
http://www.esf.international/de/aalinitiative/

Aalzüchter finde ich ein wenig overdone.

Albert
08.12.17, 22:18
Sind nicht das größte Dilemma für den Aal die über 80000 Querbauwerke in Deutschland?
Und die Gewässerverschmutzung?
Mit der WRRL ist es auch nicht weit her. Wo in der EU wird die noch halbwegs durchgezogen?

Steini (verstorben am 06.09.2019)
30.12.18, 11:30
Ja Albert, es sind so wenige die sich aktiv einsetzen.
Das Mir Angst und Bange wird, wenn ich sie nun auch noch unter verschiedenen Namen kenne.:Klatsche:

Wie gesagt der Umweltschutzgedanke in Deutschland ist fast tot, Einzelne zählen nicht.
Wenn das Allgemeine Intresse an Natur in Deutschland fehlt, werden Einzelne auch nicht ändern können..

Dann sucht man das Netz nach einfachen Antworten ab, anstatt nach neuen Fragestellungen.
Denn Interesse bedeutet vielleicht sich neue Fragen zu suchen und nicht abschließende Antworten zu finden.

Loki
02.01.19, 13:10
Sind nicht das größte Dilemma für den Aal die über 80000 Querbauwerke in Deutschland?
Und die Gewässerverschmutzung?
Mit der WRRL ist es auch nicht weit her. Wo in der EU wird die noch halbwegs durchgezogen?


Bei uns am Flüsschen wurden jetzt 3 Abschnitte wegen der WRRL renaturiert, ein 4. ist gerade im Bau.

Der längste Abschnitt hat 1,1km und ich muss sagen nachdem die ersten Hochwässer drüber gegangen sind, sieht es echt gut aus.

Ein Abschnitt geht jetzt in den zweiten Sommer und ist schön eingewachsen.


Ich hoffe ich kriege die Vereinsführung dazu überredet dass wir Setzlinge mehrerer geeigneter Arten setzen, statt fangfähiger Rebos und Karpfen :Plapperstop:

Steini (verstorben am 06.09.2019)
04.01.19, 04:46
Bei uns am Flüsschen wurden jetzt 3 Abschnitte wegen der WRRL renaturiert, ein 4. ist gerade im Bau.

Der längste Abschnitt hat 1,1km und ich muss sagen nachdem die ersten Hochwässer drüber gegangen sind, sieht es echt gut aus.

Ein Abschnitt geht jetzt in den zweiten Sommer und ist schön eingewachsen.


Ich hoffe ich kriege die Vereinsführung dazu überredet dass wir Setzlinge mehrerer geeigneter Arten setzen, statt fangfähiger Rebos und Karpfen :Plapperstop:

Klingt richtig gut.:lachen:


Wobei gegen einige Rebos und Karpfen wohl nicht viel spricht, auch nicht wenn sie schon fangreif sind.
Fischbesatz gilt aber eigentlich als Notlösung um Probleme zu umschiffen die man nicht lösen kann.
Besatz ist eigentlich unnötig und zu vermeiden, wenn es läuft wie es laufen soll.


Aber die Aussage: "Du hoffst die Vereinsführung zu überreden", es nun so zu machen wie "zur Not", in Deutschland vorgesehen, sollte nachdenklich stimmen.
P&T- Bewirtschaftung zumal mit "beliebten Speisefischen" hat mit dem Naturschutzauftrag wenig zu tun, ist nicht mal mehr Landwirtschaft sondern eher mit dem Betreiben eines Freizeitparks.
(Eines Freizeitparks der vielleicht dem Tierschutzgerechten Angeln geschuldet ist, aber nicht dem Angeln, was sich von der Fischerei zur Nahrungsgewinnung absetzte )

Aber nett, wenn wenigstens die Optik naturnah umgestaltet wird.
Da bekommt man doch das Gefühl das der Staat, sich noch an so etwas wie Naturschutzauftrag erinnert.

Es ist schon erstaunlich wie wenig Erfolg oder Unterschiede es zu machen scheint, regional viele Fachkräfte mit Aufsicht und Schutz zu betreuen.
Immer vorrausgesetzt die "Berichte im Netz" stimmen, scheinen mir interresierte Laien nicht schlechter als bezahlte Fachkräfte zu wirken.
Auch scheinen Gesetze, Aufsichtsämter fehlende Eigenverantwortung nicht ersetzen zu können.



So eine Bewirtschaftung sagt viel über die Mitglieder des Vereins aus.
Darum bin ich gerne Ausbilder, da kann man langfristig mehr bewegen als mit Überredung oder Zwang.


.

ralle80
06.01.19, 22:02
Mich interessiert, ob ihr Aal auch in Gewässern einsetzt, die keine sichere Abwanderung der Aale in den Atlantik ermöglichen.
Ich bin erschrocken, wenn Institutionen wie die Ruhrgenossenschaft oder auch Bewirtschafter der Sauerlandtalsperren Aale in Gewässern ohne Abwandermöglichkeiten aussetzen.

Beim Karpfen hatten wir schon die Diskussion, wie schädlich diese für das Ökosystem sind.
Dasselbe gilt auch für die Regenbogenforelle. Angeblich ist der Besatz schnell weggefangen, nachdem die Forellen vorher den Brutfischbestand niedergemacht haben. Je mehr man sich mit der Materie beschäftigt, desto mehr gegensinnige Meinungen findet man von den Fachleuten.
Da werden richtige ideologische Grabenkämpfe ausgefochten.

Steini (verstorben am 06.09.2019)
07.01.19, 18:37
Mich interessiert, ob ihr Aal auch in Gewässern einsetzt, die keine sichere Abwanderung der Aale in den Atlantik ermöglichen.
Da werden richtige ideologische Grabenkämpfe ausgefochten.

Ich will da ganz offen sagen ich habe es getan.
In den letzten 10 Jahren habe ich bestimmt 200 Gr Glasaale in so ein Gewässer besetzt.:nixweiß:
Aber auch locker hunderte Kg Glasaale und über 1000 Kg Setzlinge in Gewässer mit sehr guten Abwanderungsmöglichkeiten (0-1 Wehr mit Wasserkraftnutzung.)
(Wer nichts macht, macht es es nicht besser, sondern macht gar nichts)

Aber was unterscheidet eigentlich den Besatz einer Talsperre von dem in einem Fluss, oberhalb einiger Querbauten?
Die Höhe der Staumauer? :lachen:

Die Summe der Verluste wird unterscheiden ob Abwanderung möglich ist oder nicht.
Es da mal eben an Begriffen wie Fließgewässer, See, Stausee oder dauerhaft angebundende Gewässer oder Hochwassergebiet fest zu machen, sagt nicht viel über die Abwanderungserfolge aus.
Nach 5-10 Turbinen wird da nicht mehr viel überlebt haben und das sie Probleme mit der Abwanderung aus Kanälen haben wurde ja auch schon festgestellt.:shock:

Wenn man dem Aal helfen wollte, könnte man ja mal eine Karte der Fließgewässer erstellen ab wo Aalbesatz kaum noch Sinn macht.
Immer vorausgesetzt, man definiert den Sinn mit der Möglichkeit, den Bestand zu bewahren und nicht Angler und Fischer zu bedienen.:ärger:

Georg
08.01.19, 11:27
(...)

Die Summe der Verluste wird unterscheiden ob Abwanderung möglich ist oder nicht.
(...)

Wenn man dem Aal helfen wollte, könnte man ja mal eine Karte der Fließgewässer erstellen ab wo Aalbesatz kaum noch Sinn macht.
...
Mach's Dir leichter Steini, erstelle eine Karte, wo Aalbesatz aufgrund der Durchwanderbarkeit Sinn machen würde. :ärger:

Steini (verstorben am 06.09.2019)
08.01.19, 18:56
Mach's Dir leichter Steini, erstelle eine Karte, wo Aalbesatz aufgrund der Durchwanderbarkeit Sinn machen würde. :ärger:

Nicht so negativ, Flüße wie Rhein und Elbe sind kaum verbaut.

Albert
03.11.19, 18:48
2017 wurde von der Uni Hamburg eine Untersuchung zu Aalherpesvirus veröffentlicht.
Im Frühjahr 2019 hat der Nabu das Thema für sich entdeckt und Verbänden und Behörden vorgeworfen, infizierte Jungaale in die Schlei eingesetzt zu haben.

kn-online.de/Schleswig-Holstein/Vorwurf-vom-Nabu-Schlei-Infizierte-Jung-Aale-ausgesetzt (https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Vorwurf-vom-Nabu-Schlei-Infizierte-Jung-Aale-ausgesetzt)

Hier die Reaktion vom Landessportfischereiverband:

lsfv-sh.de/hva-infizierte-aale-in-der-schlei/ (https://lsfv-sh.de/2019/03/11/hva-infizierte-aale-in-der-schlei/)

Beim Deutschen Fischereitag kam das Thema auf die Agenda. Scheint zu stimmen, was der Nabu behauptet. Das Thema ist sehr komplex.

Hier die Vorträge:

Georg
03.11.20, 20:50
Glitschige Globetrotter - Auf den Spuren einer bedrohten Art - Die Nordreportage - NDR:


https://www.youtube.com/watch?v=l2J6gEaSTzE