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Thema: Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)

  1. #1
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)

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    Veröffentlichung freundlichst genehmigt durch Christian Moj

    Systematik:
    Klasse: Krebstiere Crustacea
    Ordnung: Zehnfußkrebse Decapoda
    Familiengruppe: Viereckskrabben Catometopa
    Familie: Grapsidae
    Gattung: Eriocheir
    Art: Chinesische Wollhandkrabbe
    Wissenschaftlicher Name: Eriocheir senensis

    Verbreitung:

    Ursprünglich besiedelten Wollhandkrabben die Küsten und Flüsse des Japanischen, Gelben und Ostchinesischen Meeres.
    Die Chinesische Wollhandkrabbe (E. senensis) hat ihren Lebensraum rund um das Gelbe Meer, weiter kommt sie an der Küste Chinas auch im Chinesischem Meer vor.
    Bevorzugt werden die Gewässer des Flachlandes, bergiges Gelände wird gemieden.
    Japan, Taiwan aber auch die Koreanische Küsten des Japanischen Meeres werden von der Art, Eriocheir japonicus besiedelt. Diese sehr ähnliche Art besiedelt eher bergiges Gelände und bevorzugt schneller fließende Gewässer. Beide Arten bilden an der Chinesischen Küste in Höhe Taiwans eine gemeinsame Zwischenform.
    Ab etwa 1912 tauchte die Chinesische Wollhandkrabbe auch in Europa auf.
    Zunächst nur in dem Einzugsgebiet der Weser und der Elbe zu finden, breitete sie sich schnell weiter aus.
    Da sie zur Fortpflanzung auf Salzwasser angewiesen ist, wird der Ostseeraum wenig besiedelt.
    Heute finden wir die Chinesische Wollhandkrabbe von der Ostsee bis Portugal.
    In den letzten Jahren wurde sie auch in weiteren Gebieten weltweit nachgewiesen.
    So soll sie nun auch in Nordamerika und Hawaii nachgewiesen worden sein.

    Beschreibung:

    Die Wollhandkrabbe ist eine Viereckskrabbe, weitere Krabben aus dieser Gruppe kommen bei uns nicht vor. Diese Bezeichnung der Gruppe leitet sich von der Form des Panzers der Krabbe ab. Die Wollhandkrabbe besitzt 8 Beine zur Fortbewegung, 2 weitere Beine enden in kräftigen Scheren und dienen dem Ergreifen des Futters.

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    Veröffentlichung freundlichst genehmigt durch Christian Moj

    An allen Beinen und besonders an den Scheren, befinden sich feine Härchen, welche der Krabbe den Namen Wollhandkrabbe einbrachten.
    Die Laufbeine der Wollhandkrabbe enden spitz ohne Scheren. Dieses ermöglicht es Ihnen z.B senkrechte hohe Mauern zu überwinden, nur sehr glatte Oberflächen sind für Sie unüberwindbar.
    Wollhandkrabben sind kräftige Tiere und zu dem stark gepanzert, im harten Zustand sind sie sehr wehrhaft.
    In diesem Zustand besitzen große Tiere, bei uns im Wasser eigentlich keine Fressfeinde.


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    Männliche Wollhandkrabbe links und weibliches Tier rechts. Beide sind mittelgroß und frisch gehäutet
    .





    Fortpflanzung:

    Für die Vermehrung ist die Wollhandkrabbe auf Salzwasser angewiesen, die Fortpflanzung findet im Küstenbereich der Flussmündungen statt. Niemals im Süßwasser!
    Im späten Frühjahr schlüpfen die Larven aus den von den Muttertieren den Winter über getragenen Eiern. Diese häuten sich meist noch bei dem Muttertier zum ersten mal, um ihr eigentliches Larvenstadium zu beginnen. Nun leben sie im freien Wasserkörper, um sich nach weiteren 3 Häutungen in Megalopa zu verwandeln. Diese beginnen bald das Ufer aufzusuchen, um sich durch Häutung in richtige, 3 mm große Wollhandkrabben zu verwandeln. Diese Winzlinge bleiben nun etwa ein Jahr im Mündungsbereich, um zu wachsen.
    Im nächsten Frühjahr beginnt die Wanderung Bergauf, jetzt dringen sie erstmalig auch ins Süßwasser vor. Im Süßwasser wandern sie etwa 3-4 Jahre auf Nahrungssuche immer weiter und umgehen dabei Staustufen auch über Land. Wenn sie die Geschlechtsreife erlangt haben wandern sie ins Meer zurück, um sich zu paaren. Im Herbst erwarten die Männchen, die später wandernden Weibchen in den Flussmündungen um sich zu paaren. Nach der Paarung wandern die Weibchen weiter, um oft innerhalb von 24 Stunden ihre Eier zu legen. Diese Eier werden mit einer Kittsubstanz, die nur bei genügendem Salzgehalt aushärtet, unter dem Hinterleib angeheftet. Bei einem zu hohen Süßwasseranteil sterben die Eier schnell ab.
    Im folgendem Frühjahr suchen die Weibchen dann das Flachwasser auf, um ihre Jungen zu entlassen. Nur sehr selten überleben die Alttiere einen Laichvorgang.

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ID:	2121
    Bei dieser Krabbe, hebt sich bereits der alte Panzer.
    Das Tier häutete sich einen Tag später.


    Häutung:

    Der Panzer von Krebsen wächst nicht mit dem Tier. Wenn ein Krebs den Panzer ausfüllt, bildet sich ein neuer größerer Panzer unter dem Alten. Bei der Häutung sprengt das Tier den alten Panzer auf und schlüpft hinaus. Der neue Panzer ist nun noch für einige Zeit weich wie eine Haut und man spricht darum auch von Butterkrebsen. Bei diesen Häutungen können Krebse aber auch verlorene Beine wieder erneuern. Die abgeworfenen Panzer werden oft als tote Tiere gedeutet sind aber in Wirklichkeit nur ein Zeichen, dass es den Krebsen besonders gut geht.

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ID:	2783
    Veröffentlichung freundlichst genehmigt durch Christian Moj

    Ernährung:

    Allesfresser! (Omnivore)

    Wollhandkrabben verbringen den Tag versteckt unter Steinen oder graben sich ein. Die Futtersuche findet oft erst bei völliger Dunkelheit statt. Bei der Suche versuchen die Krabben meist in der Nähe von Verstecken zu bleiben. Bei Gefahr, suchen sie sofort diese Verstecke auf oder graben sich in dem Untergrund ein. Am Tage sind die oft nur im tiefen Wasser bei besonders gutem Futterangebot aktiv. Besondere Leckerbissen wie ein toter Fisch werden über den Geruch oder Geschmack über weite Strecken wahrgenommen. So ein Brocken wird dann, auch am Tage, in das nächste Versteck gebracht und verzehrt.
    Die Krabbe benötigt immer auch einen Anteil tierischer Nahrung, weil sonst der Panzer nicht aushärtet und weitere Häutungen unterbleiben. (Mangelerscheinungen)

    Wirtschaftlich:

    Durch Wollhandkrabben in Reusen werden Geräte und Fang beschädigt. Versuche die Krabben in Europa zu vermarkten schlugen lange Zeit fehl. In den letzten Jahren werden sie zum Teil exportiert oder auch direkt verkauft. In der Heimat der Krabbe wird sie als Lebensmittel sehr geschätzt. Eine weitere Möglichkeit der Vermarktung sind frisch gehäutete Krabben als Angelköder! Sehr gesucht und nicht leicht zu erhalten.

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    Möglichkeiten der Bekämpfung:

    Da größere Wollhandkrabben nicht schwimmen können, kann man sie auf den Wanderungen bergauf, am Eindringen in Gewässerabschnitte hindern. Sehr glatte Absätze am Grund der Gewässer leiten die Tiere dann zu Fangruben am Ufer. Weiter könnten die Laichschwärme in den Mündungen gezielt befischt werden. Eine völlige Ausrottung wird aber wegen der Größe dieser Gebiete und der Menge an Nachwuchs fast unmöglich sein.

    Weiterführend:

    Dr.A. Panning, die Chinesische Wollhandkrabbe, Die Neue Brehm-Bücherei
    http://www.aquakulturtechnik.de/Woll...Startseite.htm
    http://www.ifb-potsdam.de/aktuelles/band05.pdf
    Geändert von Steini (19.07.11 um 21:10 Uhr)

  2. #2
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    AW: Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis)

    Möglicherweise kann ich für die die Wollhandkrabben bekämpfen wollen einen Hinweis geben.

    In der Weser oberhalb Bremens ist die Krabbe zur Zeit (fast) verschwunden.
    Konnte man sie früher immer finden wurden sie seit Jahren weniger.
    Letztes Jahr waren es lediglich Einzeltiere, dieses Jahr habe ich noch gar keine gesehen.
    Ob es nun am neuen Wehr in Bremen liegt, oder etwas Anderem mag ich nicht sagen.
    Fakt ist aber Sie ist nicht mehr da, zeitgleich breiteten sich Mühlkoppe, Schmerle, Neunaugen, Kamberkrebs, Muscheln und Wels aus.

    Das neue Wehr scheint aber ein Hauptgrund zu sein, im Wümme-Einzugsgebiet findet man sie noch regelmäßig, wenn auch nicht mehr in Massen.
    Auch am Bremer Wehr selbst, sah ich unterhalb noch viele Jungtiere.
    Wie auch immer, es wird einen Grund geben.

    Kritisch:
    Nach fast 100 Jahren ist nun ein lange massenhaft vorkommendes Tier fast verschwunden.
    Auch wenn Sie einst engschleppt wurde, war sie doch längst ein fester Bestandsteil des Nahrungsnetzes.
    Ihr Auftreten mag Veränderungen ausgelöst haben, in der Vergangenheit.
    Möglicherweise ist Sie gar eine echte Bereicherung, auch wenn sie wegen des Massenaufkommens bisher lediglich ein Feindbild besitzt.
    .
    (Asiaten würden sie wohl ganz anders betrachten, für Sie wäre es vergleichbar mit Unserer Betrachtung, des im Wesergebiet ebenso fremden und doch zahlreich vorkommenden beliebten Zander.)


    So ein Wandel sollte also auch Angst machen.
    Seit nun etwa 30 Jahren wurden es ungleichmäßig immer weniger.
    Als Kind sah ich sie die Wanderhindernisse beim Aufsteigen bedecken, kein Köder blieb unbehelligt.
    Ein Blick ins Wasser und man sah im Sommer Teile von Krabbenpanzern.
    Noch vor etwa 5 Jahren war sie selbst am dritten Wehr bei Dörverden nicht selten zu finden.
    Als ich sie selbst nicht mehr fand, fragte ich den Aalfischer dort , ob Er welche verkaufen könnte, auch in seinen Reusen waren sie aber nur noch selten zu finden.
    Ich hoffe, es liegt am Bremer Wehr oder das die jungen Krabben keine freie Nische mehr vorfinden.
    Möglichweise aber, könnte es auch ein Hinweis sein das wir neue Stoffe einleiten.
    (Wäre um die Krabbe nicht unbedingt schade, wer aber würde so etwas an weiteren kleineren Krebstieren verfolgen ?)
    Gruß Steini

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