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Thema: Lachs, Atlantischer (Salmo salar)

  1. #1
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    Lachs, Atlantischer (Salmo salar)

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    Systematik:

    Klasse: Knochenfische (Osteichthyes)
    Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
    Familie: Lachsfische (Salmonidae)
    Unterfamilie: Großmaul-Salmoniden (Salmoninae)
    Gattung: Salmo
    Art: Atlantischer Lachs

    Wissenschaftlicher Name: Salmo salar


    Flossenformel:

    D III-IV/9-11
    A III/7-8
    P I/13
    V I/8

    Größe: Männchen bis 150 cm, Weibchen selten über 120 cm

    Gewicht: Männchen bis ca. 35 Kilo, Weibchen bis ca. 20 Kilo

    Alter: 4-6 Jahre, seltener 10-13 Jahre


    Beschreibung:

    Langer, spindelförmiger Körper mit schlankem Schwanzstiel und kleinem, spitzem Kopf. Dünner Schwanzstiel und Schwanzflosse als gleichschenkliges Dreieck. Je nach Entwicklungsstadium unterschiedliche Färbung (siehe weiter unten). Wie alle Salmoniden trägt auch der Lachs eine Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse.

    Verwechslungsgefahr mit der Meerforelle. Hat man nicht gerade beide Arten nebeneinander liegen, sind Lachs und Meerforelle für den Laien nur schwer zu unterscheiden.

    Die sichersten Unterscheidungsmerkmale sind der bereits genannte schlanke Schwanzstil, dieser ist bei Meerforellen deutlich breiter ausgebildet, sowie die stark eingeschnittene Schwanzflosse des Lachses. Bei der Meerforelle ist der hintere Rand der Schwanzflosse fast plan.
    Der 1. Kiemenbogen der Forelle weist verkrüppelte Kiemendornen auf, beim Lachs sind sie vollständig ausgebildet. Unterschiedliche Färbung der Kiemendeckel bei Fischen im Laichkleid: Meerforelle haben Punkte, Lachse weisen Bänder auf.



    Bachforelle (ca. 15 cm)
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ID:	1102
    Veröffentlichung freundlichst genehmigt durch den Fotografen.

    Lachs (ca. 15 cm)
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ID:	1103
    Veröffentlichung freundlichst genehmigt durch den Fotografen.
    • Beide Arten können rote Punkte haben
    • Die Bachforelle hat eine rote Fettflosse, der Lachs nie
    • Der Lachs hat ein markantes Wellenmuster auf der Seite (Bänder)
    • Beim Lachs ist die Brustflosse sehr groß
    • Lachse sind kleiner und schlanker als gleichaltrige Bachforellen
    • Lachse stehen in der Regel in der Flussmitte, Bachforellen eher am Rand

    Als Unterscheidungsmerkmal können die Kiemen-Reusendornen genutzt werden. Diese sind beim Lachs stabförmig. Bei der Meerforelle sich zur Spitze hin verjüngend. Eindeutigster Unterschied ist aber das Pflugscharbein im Gaumen. Dieser Bereich ist mit kleinen, nach innen gerichteten winzigen Zähnchen besetzt. Der Lachs hat die Zähnchen in einer Reihe, die Pflugscharbeinplatte ist im Gegensatz zu der der Meerforelle aber zahnlos. Die Meerforelle hat die Zähnchen auch nebeneinander stehen, zum Maul hin gibt es weitere Zähnchen, welche ein "T" formen.

    Es gibt 5 pazifische und einen atlantischen Lachs:
    • Atlantischer Lachs (Salmo salar)
    • Buckellachs (Oncorhynchus gorbuscha)
    • Rotlachs (Oncorhynchus nerka)
    • Königslachs (Oncorhynchus tschawytscha)
    • Hundslachs (Oncorhynchus keta)
    • Silberlachs (Oncorhynchus kisutch)


    Entwicklungsstadien:
    • Ei: Die Eier liegen 420-450 Tagesgrade im Kies. Es schlüpfen daraus die ...
    • Alevin: Die Larven verbleiben vorerst im Kiesbett, sind lichtscheu und recht inaktiv. Hier zehren sie die ersten Wochen an ihrem Dottersack. Ist dieser verbraucht, verlassen die Larven das Kiesbett und werden zum ...
    • Fry: Die 20 mm großen Tiere suchen die flachen Bereiche auf, jagen Wasserinsekten und wachsen ab zum ...
    • Parr: Als Parr wird der Lachs ab einer Größe von 4 cm bis zu einer Größe von zirka 15-20cm bezeichnet. Parrs tragen bräunlich-grüne Flecken und auf den Seiten etwa 5 bis 7 dunkle Querbänder. Den Querbändern verdanken sie ihre Namensgebung. Sie verbleiben im heimatlichen Fluss in aller Regel um die 2 Jahre und ernähren sich dort vorwiegend von Wasserinsekten.
    • Smolts: Mit Beginn ihere Wanderung zum Meer bezeichnet man sie als Smolts. Ihre Farbe wird silbrig. Lachse und Meerforellen (beide silbrig) sind in diesem Stadium nur schwer zu unterscheiden. Der Lachs hat etwas kräftigere Bauchflossen, die es ihm erlauben, auch in stärkerer Strömung Standplätze zu halten.

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Name:	lachs smolt.jpg
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ID:	1080
      Smolt
      Veröffentlichung freundlichst genehmigt von Dr. Bernd Stemmer


      Während der Phase als Smolt wird der Körper auf die Umstellung für ein Leben im Meer angepasst (Smoltifikation).
    • MSW - Multi-See-Winter werden die Tiere genannt, die länger als einen Winter, oft 2-3 davon, im Meer verbracht haben.
    • (farbiger/bunter) Laichlachs: oder auch Sommer und Winterlachse sind jene, die ins Süßwasser zurückgekehrt sind. Zur Hochzeit wechseln sie ihr Äußeres erneut. Die Haut wird dicker und ledriger. Die Färbung wesentlich dunkler mit grünlicher oder rot-bräunlicher Farbe und roten bis orangen Tupfen und oranger bis rötlicher Bauchseite. Den Männchen wächst ein knorpeliger Fortsatz am Unterkiefer, der Laichhaken. Bunte Lachse sind extrem empfindlich. Ein harter Drill und ein Foto zum Schluss sind häufig schon tödlich. Bei hohen Wassertemperaturen verschärft sich das Problem drastisch.

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Name:	lachs laichhaken.jpg
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ID:	1079
      Laichhaken eines aufsteigenden Milchners
      Veröffentlichung freundlichst genehmigt von Herrn Gerhard Feldhaus
    • Kelt: Ein Kelt ist ein Lachs, der nach dem Laichen im nächsten Frühjahr absteigt. Diese Fische sind an ihrer dunklen Färbung zu erkennen.
    • Precocius male oder frühreifes Männchen: Ein Parr, der nicht smoltifiziert, sondern sein Jugendkleid behält. Er verbleibt im Bach oder zieht an die Mündung. Falls nur Weibchen in den Bach zurückkehren, kommt es so trotzdem zur Reproduktion. Auch beim Vorhandensein großer, wiedergekehrter Milchner mischen die flinken Winzlinge mit. Vermutlich ist in 30% aller Fälle solch ein laichreifer Parr der Vater.
    • Grilse Als Grilse bezeichnet man Lachse, die bereits nach einem Jahr Aufenthalt im Meer wieder in die Flüsse zurückkehren.

    Verbreitung:

    In den gemäßigten und arktischen Bereichen des Atlantischen Ozeans, in Nord- und Ostsee.


    Lebensweise & Fortpflanzung:

    Der Lachs als anadrome Wanderfischart lebt zwischen 1 bis 4 Jahren (selten länger) im Meer, bevor er wieder in unsere Flüsse zurückkehrt, um sich zu vermehren.

    Ihre Laichwanderung zurück in die Flüsse unternehmen die Lachse zu höchst unterschiedlichen Zeiten. So gibt es Sommer- und Winterlachse. Letztere beginnen dann erst im folgenden Herbst mit dem Laichgeschäft. Ab der Zeit der Aufstiegs nehmen die Lachse keine Nahrung mehr zu sich. Einzig der noch kurze Zeit verbleibende Beißreflex lässt es zu, dass sich diese Tiere noch an den einen oder anderen Angelhaken verirren.

    Kleinere, flache Querverbauungen kann ein Lachs bei seiner Wanderung überwinden. Sprünge von 3, selten auch 4 Meter kann ein Lachs vollziehen. Hierfür benötigt es allerdings eine gewisse Wassertiefe vor dem Hindernis. Sind die Wehre oder Schleusen höher und ist keine alternative Passage vorhanden, ist die Wanderung beendet und das Tier für die Vermehrung verloren.

    Die Energie, die er für die Wanderung benötigt, bezieht der Lachs aus seinen Fettreserven, die er sich in der Zeit im Meer angefressen hat. In aller Regel sind die Tiere nach der Paarung derart "verbraucht", dass sie nach dem Laichgeschäft an Entkräftung oder den Folgen hieraus sterben. 30-40% ihres Körpergewichts haben sie bis dahin eingebüßt. Am häufigsten trifft es die Männchen. Nur wenige Tiere (unter 10%) schaffen die Rückkehr ins Meer und somit einen zweiten Aufstieg. Ein dritter Aufstieg ist nur einem von etwa tausend Tieren vorbehalten.


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Name:	12.jpg
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ID:	1081
    Lachs mit verpilztem Laichhaken
    Veröffentlichung freundlichst genehmigt von Herrn Gerhard Feldhaus

    Die Weibchen sind für das Schlagen der Laichgrube verantwortlich. In klaren, kalten, schnell fließenden Flüssen, vorzugsweise im Hypo- und Metarhitral , wird von ihr in 0,5 - 3 Meter Tiefe mit dem Schwanz eine 2-3 Meter lange und zirka 10-30 cm tiefe Grube gegraben bzw. geschlagen. In Intervallen von 5-10 Minuten werden vom Rogner die Eier stoßweise in die Grube gegeben. Nachdem der/die Milchner sie besamt haben, wird die Grube vom Weibchen wieder zugedeckt. Das nächste Nest wird nun gegraben. Insgesamt beschäftigen sich die Tiere wenige Tage bis zwei Wochen mit der Eiablage. Die Verteidigung gegen Paarungsrivalen und Laichräuber kostet das Männchen zusätzliche Kräfte.

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Name:	8.jpg
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ID:	1082
    Lachseier
    Veröffentlichung freundlichst genehmigt von Herrn Gerhard Feldhaus

    Je Kilo Körpergewicht werden zirka zwischen 1800 bis 2000 Eier gelegt. Die Eier haben einen Durchmesser zwischen 4 bis 6 Millimetern. Durch das Abdecken der Laichgruben und dem Umstand, dass sie schwerer sind als Wasser, verbleiben die Eier gut geschützt über den Winter im kiesigen Grund.

    420-450 Tagesgrade benötigen die Larven bis zum Schlupf. Zwei bis drei Wochen verharren die Larven nach dem Schlupf dann noch im Kieslückensystem . Etwa neunzig Tage ernährt der Dottersack die Tiere, die beim Schlupf etwa 20 mm groß sind. Dann beginnt die Jagd auf Kleinkrebse, später Insektenlarven und andere Wasserinsekten. 1 bis 5 Jahre verbleiben die jungen Lachse nun im Süßwasser. In der Rheinregion wandern in aller Regel 50% der Tiere nach dem ersten Sommer stromabwärts. Der Rest im zweiten Jahr, selten nach drei Jahren. Meist geschieht dies zwischen März und Juli, mit dem Schwerpunkt im Mai. Im Herbst gibt es eine zweite, kleinere Welle der Wanderung. In dieser Zeit nennt man die Junglachse auch Smolts.

    Im inneren der Tiere beginnt der Wandel. Ausscheidungsorgane und Hormondrüsen passen sich dem Leben im Salzwasser an. Sie bekommen eine einheitliche silbrige Färbung. Wissenschaftler vermuten, dass der Startschuss für die Abwanderung auch durch die hormonelle Änderung ausgelöst wird, die mit dem Farbwechsel in Verbindung steht. Maßgeblich sollen aber steigende Temperaturen (ab 10°) das Signal geben. In der Zeit während der Smoltifikation wird der Lachs auf sein Gewässer geprägt. Die Smolts wandern in Gruppen, des Nachts, nahe der Oberfläche, überwiegend in der Mitte des Flusses.

    Vor dem endgültigen Übertritt in das salzige Element verbleiben die Tiere eine gewisse Zeit in den Mündungsbereichen der Flüsse, um sich an den Salzgehalt zu gewöhnen und die Nahrungsumstellung zu bewerkstelligen. Salzkonzentrationen vertragen Lachse in verschiedenen Konzentrationen, was sie hingegen konstant lieben, ist kaltes Wasser. Deshalb ziehen die Lachse nun rund 3000 Kilometer in Richtung Grönland. Dort stoßen sie auf ideale Lebensbedingungen. Kleine Gruppen wählen auch die südliche Richtung.

    Bei den überlebenden Laichfischen, die wieder ins Meer zurückkehren, verblasst die Hochzeitsfärbung nun wieder, der Laichhaken bildet sich zurück und die Tiere erholen sich erstaunlich schnell von den Strapazen. Es folgt eine rasante Gewichtszunahme, teilweise ein Kilo pro Woche. Ein bis zwei Jahre später erfolgt dann der zweite Aufstieg. Äußerlich erkennt man die Lachse, die ein zweites Mal aufsteigen, an ihrer stärkeren Fleckung.

    Seine Zeit im Meer verbringt der atlantische Lachs nicht alleine unter sich. Die Schwärme können durchaus aus verschiedenen Arten bestehen. Eine Trennung erfolgt erst wieder, wenn die Heimat lockt.


    Orientierungsvermögen:

    Wissenschaftlich ist bis heute nicht erwiesen, wie der Lachs in seine Heimat zurück findet. In den Vermutungen stehen die Nutzung von/oder einer Kombination aus dem Magnetfeld der Erde, dem Himmelskompass, der Polarisation des Lichts und dem Geruchssinn.

    Dass der Lachs für das Magnetfeld empfänglich ist, ist erwiesen. Rein theoretisch könnte man aus der Auswertung der Richtung der Feldlinien und der Stärke der Erdanziehung eine Position ermitteln. Ob der Lachs diese Informationen mittels geeigneter Rezeptoren nutzt, ist nicht erwiesen. Sinnvoll wäre es, da das Magnetfeld von Witterungseinflüssen unberührt ist.

    Die Orientierung an Sonne oder Sternen macht sich der Lachs ebenso zu Nutze. Eine innere Uhr, gesteuert durch die Zirbeldrüse, sorgt für ein ständiges Ausgleichen des sich verändernden Winkels des Sonnenstandes (Azimut).

    Die Orientierung anhand der Polarisation des einfallenden Lichtes wäre eine weitere Option, die den Lachs leiten könnte.

    Der Geruchssinn kommt erst kurz vor dem Ende der Reise zum Einsatz. Er leitet ihn sicher als chemische Navigation zur Mündung des richtigen Flusses und somit in sein ehemaliges Habitat . Tiere, die einen solch ausgeprägten Geruchssinn haben wie Lachs und Aal, nennt man auch Makrosomaten . In Gegensatz zum Hecht, der als Microsomat gilt. Wäscht sich beispielsweise ein Mensch die Hände im Wasser, setzt er sogenanntes L-Serin frei, welches die Haut absondert. Nimmt ein Lachs diesen Stoff wahr, reagiert er mit Regungslosigkeit beziehungsweise Flucht.


    Ernährung:
    • Im Süßwasser: U. a. Kriebelmücken, Stein- und Köcherfliegen, Zuckmücken, Krebstiere.

    • Im Meer: Anfangs Flohkrebse und andere Krebsarten, dann Sandaale, Sprotten, Stichlinge, Heringe, Garnelen, aber auch Makrelen und Kabeljau werden einzeln oder in kleinen Schwärmen gejagt.


    Wachstum:

    Im Süßwasser nur langsam. Im Meer nach dem ersten Jahr 50-65 cm (1,5-3,5 KG.), im zweiten Jahr 70-90 cm (4-8 KG), im dritten Jahr 90-105 cm (8-13 KG). Ein Lachs kann sein Gewicht im Meer in einem Jahr um das Hundertfache steigern und dabei um bis zu einem Meter wachsen.


    Gefährdung:

    • Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war der Rhein das wichtigste und größte Verbreitungsgebiet des Lachses in Europa. Als die Bestände einbrachen, wurde bereits 1886 der internationale Lachsvertrag geschlossen, der zur Hebung des Lachsbestandes im Rheingebiet führen sollte. Dass er dennoch weiter zurückging und schließlich ausstarb, lag an den Einleitungen aus Haushalten, Industrie und Landwirtschaft im Laufe des 20. Jahrhunderts. Mit der Gründung der "Internationalen Kommision zum Schutze des Rheins" (IKSR) wurde 1986 nach dem Sandoz-Unfall der erfolgreiche Aktionsplan "Lachs 2000" ins Leben gerufen. Vor 10 Jahren wurde das Projekt "Lachs 2020" verabschiedet.


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ID:	1083
      Impfung eines Lachses gegen Furunkulose
      Veröffentlichung freundlichst genehmigt von Herrn Gerhard Feldhaus


      Von den durchschnittlich 10.000 Eiern, die ein Weibchen legt, überleben zirka 1% der Jungfische (ausreichend großes Habitat vorausgesetzt). Kehren von diesen 100 Lachsen 4 Stück zurück, reicht dies aus, um den Bestand zu erhalten. Dadurch, dass die Jungfischhabitate durch Verbauungen immer noch sehr begrenzt sind, kann die Population nur mit der Rückgewinnung von alten/neuen Habitaten wachsen. Es reicht also nicht aus, nur immer wieder Smolts auszusetzen. Das Projekt Lachs 2020 konzentriert sich nun vorrangig auf diese Aufgabe.
    • Aber nicht nur die fehlenden Habitate wirken sich negativ aus. Wie bei allen diadromen Arten stellen die Querverbauungen mit fehlenden oder nur schlecht funktionierenden Umgehungen Hürden oder gar unüberwindbare Hindernisse bei Auf- und Abstieg dar. Auf dem Rückweg stellen die Turbinen der Wasserkraftwerke die Tiere vor große Probleme. Fehlt der Lockstrom der Umgehung, geraten die Lachse allzu oft in den Sog und passieren die Turbinen. Neben den sofortigen Auswirkungen stehen langfristige Wirkungen und Schock zur Verarbeitung an.

      Lachse, denen der Weg wieder frei gemacht wurde, finden oft kanalisierte, begradigte und freigeräumte Bach- und Flussverläufe vor. Durch die Kolmatierung des Kieslückensystems gelangt nicht mehr genug Sauerstoff an die Nester.
    • Ungemach droht dem Lachs auch von anderer Stelle. Immer wieder wird davon berichtet, dass Zuchtlachse entwischen und sich unter die Wildpopulationen mischen. Entkommen können die Tiere zum Beispiel durch fehlerhaftes Handling beim Umsetzen.

      Die Gefahr droht durch die Einschleppung von Parasiten und Krankheiten, für die die Flüchtlinge in den engen Verhältnissen der Zuchtanlagen besonders anfällig sind. Zudem stellen sie mit der Menge von geschätzten 500.000 Tieren im Jahr eine erhebliche Futterkonkurrenz dar. Jedes vierte gefangene Tier ist mittlerweile ein Flüchtling der Farmen. Zuchtlachse lassen sich erkennen. Das deutlichste Indiz ist eine abgewetzte Schwanzflosse. Diese entsteht beim Schwimmen im Netzgehege. Wilde Lachse haben am Kiemendeckel eine dünne Haut als Fortsetzung. Ist diese deutlich kürzer als 6mm, ist jener vermutlich ein Zuchtlachs.

      Als Fortpflanzungpartner stellen sie eine ebenso große Belastung für die wildlebenden Lachse dar. Der Genpool wird so von schlechter Qualität unterwandert. Die gezüchteten Rassen haben eine industriekonforme Morphologie . Veränderte Stromlinien, kürzere Flossen, erhöhter Fettgehalt, eine verringerte Schwimmleistung und eine veränderte Herzform werden so den Wildlachsen eingestreut. 70% der aus diesen Kreuzungen entstandenen Lachse sterben in den ersten Wochen. Die Überlebenden kreuzen die Gene weiter ein.
    • Der ursprüngliche, bei uns heimische, deutsche Lachs gilt seit 1950 als ausgestorben. Die nun wieder eingebürgerte Art steht als "vom Aussterben bedroht" auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Der Lachs ist durch die FFH-Richtlinien in Deutschland geschützt. Dieser Schutz gilt jedoch nur für die Binnengewässer, nicht für das Meer.

    Historische Stützungsprojekte:
    • Einem Bericht aus dem Jahre 1872 zufolge wurden in der Weser bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Lachse markiert, um die Rückkehr in die Laichgebiete zu dokumentieren. Die Professoren Virochow und Hensen, seinerzeit Vorstände des deutschen Fischereivereins, erhielten den Auftrag, die einjährigen Tiere mit einer Markierung zu versehen. Sie entschlossen sich nach verschiedentlichen Versuchen für das Abschneiden der Fettflosse.

      Insgesamt wurden 1000 Tiere markiert. Jahre des Wartens vergingen, ohne dass Rückkehrer gefangen wurden. So setzte man Prämien aus. 150 Mark für die ersten beiden gefangen Tiere. Man hatte sich ausgerechnet, mindestens 30 Rückkehrer erwarten zu können. 1884, also 12 Jahre später, ging einem Lachsfischer in Bremen dann das erste Tier ins Netz. Die saubere Trennfläche an der Stelle, an der vormals die Fettflosse saß, wurde als Beleg gewertet. Der Fisch wog 30 Pfund und war mittlerweile auf einen guten Meter angewachsen. Es wurden in der Folgezeit zwei weitere Tiere gefangen. Das Größte maß 120 cm.

      Die Besatzzahlen, die 1889 bis 1894 mit jährlich einer Million Stück angegeben ist, ist bezeichnend für den frühen Rückgang der Lachse in unseren Flüssen. Alte Aufzeichnungen über die Fangzahlen eines Pächters um 1713 sprechen von 245 Lachsen in einem Jahr im Bereich der Weser um Hameln. Insgesamt wurden damals von allen Pächtern 400-500 Tiere gefangen. 1850 waren es nur noch 2 Lachse. Nachdem man 1858 die ersten 80.000 Junglachse ausgesetzt hatte, hob sich die Fangquote wieder. Erst 2000 Tiere, 1863 schon 4000, 1864 5000 Stück. Nachdem man den Besatz ausgesetzt hatte, folgten wieder deutlich sinkende Zahlen.


    Aktuelle Projekte:

    Die Projekte zur Wiederansiedlung des Lachses hier detailliert zu beschreiben, sprengt den Rahmen des Möglichen. Daher sind hier nun beispielhaft einige Organisationen und Vereine repräsentativ hinterlegt, die sich dieser Aufgabe widmen. Unsere große Bewunderung gilt jenen ehrenamtlichen Mitarbeitern der Projekte, die viele Stunden ihrer Freizeit in diese Arbeit stecken.

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Name:	L 5 62 cm.jpg
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ID:	1104
    Veröffentlichung freundlichst genehmigt durch den Fotografen.

    Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer "sein" Projekt hier auch gerne verlinkt sehen möchte, sendet bitte eine PN an das Team.


    Bedeutung als Nahrungsmittel:

    Farmlachs oder Wildlachs? Eine Frage, die nicht nur Preis und Geschmack entscheiden sollte.

    Noch vor 20 Jahren kamen nur 10% der verkauften Lachse aus Aquakulturen. Heute sind es bereits 60%. Der Grund der Steigerung liegt im Bedarf und an der fehlenden Ressource Wildlachs. Was wir in den Truhen der Supermärkte finden, ist zu 99% Zuchtlachs. Norwegen, Finnland, Schottland und Irland teilen sich den hiesigen Markt. Die Dichte der Zuchttierbestände erfordert es, dem Futter Medikamente beizumischen. Der hohe Fettanteil der zur Bewegungsarmut verdammten Tiere und die Fütterung mit Fischmehl sorgen für den Unterschied in der Farbe des Fleisches. Im Gegensatz zum Wildlachs, dessen Fleisch dunkler und fettärmer ist. Solch einen Zuchtlachs innerhalb von 3 Monaten zur Schlachtreife zu bringen, kostet die Industrie gerade mal 2 Euro pro Kilo Fleischerzeugnis.

    Die Etiketten, die diesen Tieren in der Truhe um den Hals gehangen werden, zeugen von edelster Herkunft. Besonders gerne werden die Attribute „Premium-, echter- oder Biolachs“, gerne auch in Kombination untereinander gewählt. Den erzielten Margen nach müssten sie diesen Prädikaten eigentlich entsprechen. Dem ist natürlich nicht so.

    In ganz üblen Beispielen wird dieses Lachsfilet für über 40 Euro je Kilo (bei Ausreissern bis 90 Euro und sogar bis 120 Euro) auf den Markt gebracht, nicht ohne den Hinweis seiner überragenden Qualität. Namenskreationen und poppiger Verpackung sei Dank. Wem es jetzt noch nicht vergangen ist, dem sei gesagt, dass die Liste der eingelagerten Gifte und die der Medikamentenreste um ein Vielfaches länger ist als die der Vitamine, die wir beim Verzehr des Wildlachses zu uns nehmen.

    Wer solche Zuchtlachse dennoch in seiner Küche verarbeiten möchte, sollte nie mehr als 15 Euro pro Kilo für das Filet bezahlen.

    Echten Wildlachs erkennt man daran, dass er so gut wie keine Marmorierung durch eingelagertes Fett aufweist. Jene weißen Querstreifen, die sich in regelmäßigen Abständen durch das Filet ziehen. Die Farbe des Fleisches ist beeinflussbar, wie es das Beispiel der „Lachsforellen“ durch Zugabe von Canthaxanthin ins Futter zeigt. Wildlachs hat sein dunkelrotes Fleisch durch die Ernährung mit Krill oder anderen Muscheln- und Schalentieren. Die einzige wirkliche Chance, ihn sicher zu unterscheiden, ist die Angabe des wissenschaftlichen Namens der Art auf der Verpackung. Für Wildlachs sollte man bereit sein, das Zwei- bis Dreifache im Vergleich zum Zuchtlachs zu zahlen.

    Wildlachs enthält folgende Vitamine:
    • Vitamin A
    • Vitamin D
    • Vitamin B12
    • Vitamin E
    • Thiamin
    • Riboflavin
    • Niacin
    • Pantothensäure
    • Pyridoxin
    • zudem reichlich Omega-3-Fettsäuren

    Der Spruch "reichlich Omega-3-Fettsäuren" liegt im Ohr wie ein Schuss Öl. Jeder kennt ihn aus der Werbung. Lange hatte man geglaubt, dass jene Fettsäuren die Eskimos auf Trab hielten. Mittlerweile zieht man hier die Bremse und gesteht ein, dass O3F es kaum Wert sind, als Inhaltsstoff gelistet zu werden.

    Was man hingegen herausgefunden hat, ist, dass der eigentliche Gesundmacher die Furanfettsäuren sind. Diese Fettsäuren werden durch Algen (Wakame) sowie Schwämme und Futterfische aufgenommen - in Spuren, aber hochwirksam! Man findet sie nicht bei Fischen, die in Zuchtfarmen gezüchtet werden, da diese mit Fischmehl und -öl gefüttert werden und somit keine Algen, Schwämme oder Fische aufnehmen.

    Foto Vergleich folgt

    Einen Film, der die Lachsfarmen dokumentiert, findet sich hier: Lachsfieber


    Weitere Infos:

    • Der als Seelachs im Handel erhältliche Fisch ist kein Lachs. Es handelt sich um den Köhler aus der Familie der Dorsche.
    • In Schweden und Finnland kommen nicht- anadrome Lachse vor. Diese leben in sehr kalten Seen wie dem Väner-See oder dem Ladoga-See (Finnland: Saimaa-See) und wachsen bis zu einem Meter ab.
    • Binnenlachse sind potamodrome Fische, die nur innerhalb des Süßwassers wandern. Sie leben in Seen, deren Zuflüsse sie für das Ablaichen aufsuchen.
    • Der Atlantische Lachs war Fisch des Jahres 1992 und 2000


    Quellen:


    Buch: Süßwasserfische / Muus und Dahlström
    Facharbeit: Das Phänomen der Lachswanderung unter dem Aspekt der Lachsorientierung
    Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen, Abhandlung10, G.A. v. Halem von 1901
    PDF: Rhein und Lachs 2020 von der IKSR
    Web: Scinexx - Lachsausreißer
    PDF: Fleisch vom nächsten Planeten
    Web: "News Top-Aktuell" - Vorsicht Lachs
    Geändert von Thomas (22.05.11 um 11:04 Uhr)

  2. #2
    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    AW: Lachs, atlantischer (Salmo salar)

    Zitat Zitat von GW-Team Beitrag anzeigen
    Es gibt 5 pazifische und einen atlantischen Lachs:
    • Atlantischer Lachs (Salmo salar)
    • Buckellachs (Oncorhynchus gorbuscha)
    • Rotlachs (Oncorhynchus nerka)
    • Königslachs (Oncorhynchus tschawytscha)
    • Hundslachs (Oncorhynchus keta)
    • Silberlachs (Oncorhynchus kisutch)
    Details über die 5 pazifischen Arten und den Anteilen der Wildlachsfänge in Alaska hat die -Deutsche See Fischmanufaktur - anschaulich als Warenkunde veröffentlicht.

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Name:	Wildlachs Alaska.jpg
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    Link: http://www.deutschesee.de/kunden/gas...nde-lachs.html
    Gruß
    Albert

  3. #3
    GW-Forum Team Avatar von Mattes
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    AW: Lachs, Atlantischer (Salmo salar)

    Eine weitere Bedrohung:

    Läuse bedrohen die Wildlachsbestände im Nordostatlantik. In manchen Gebieten stirbt mehr als jedes zweite Tier an den Parasiten, haben Forscher gezeigt. Häufig werden schon Jungtiere befallen. Eine der Hauptinfektionsquellen sind Aquakulturen.
    Weiterlesen bei Spiegel.de:

    Parasiten gefährden den atlantischen Wildlachs
    Gruß vom Mattes

    Zuhause ist da, wo das Land platt ist, Kühe und Pappeln rumstehn, der Nebel wabbert und Diebels getrunken wird.


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