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Thema: Das Grundelproblem

  1. #1
    GW-Forum Team Avatar von Mattes
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    Das Grundelproblem

    Hallo beisammen,

    Albert berichtete von der Fachtagung:"Fischartenschutz und Gewässerökologie in Jena" vom Grundelaufkommen, unter anderem im Rhein.

    Dr. Staas tat dies vorher schon auf der Fortbildung in Schwalmtal.

    Hier würde ich nun gerne die neusten Erkenntnisse über die Entwicklung der Dinge sammeln. Wer also neue Fakten oder interessante Dinge zu berichten weiß, wer Austausch wünscht, ist eingeladen.
    Gruß vom Mattes

    Zuhause ist da, wo das Land platt ist, Kühe und Pappeln rumstehn, der Nebel wabbert und Diebels getrunken wird.


  2. #2

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    AW: Das Grundelproblem

    Ja, das ist ein zunehmendes Problem auch bei uns.

    Derzeit wissen wir, dass besonders der Nord-Ostsee-Kanal davon betroffen ist.
    In der Elbe gibt es bereits auch Nachweise.
    Wir als Elbenebenfluss haben noch keine Meldungen vorliegen. Aber wer kann sich da schon sicher sein.

    In Ostseezuflüssen gibt es bereits Meldungen, dass diese Arten dank der inzwischen guten Durchgängigkeit (Fluch und Segen) bereits in die Oberläufe vordringen.

    Ich möchte auf eine Seite meines Landesverbandes verweisen, wo unsere Biologen sich bereits mit den Grundeln befassen.

    http://www.fischschutz.de/Fremdarten...see-Kanal.html

    Ach ja, es gibt bereits einige Fischspeiselokale, die sie bereits als Sonderessen anbieten. Selbst unser Ministerpräsident hat sie schon genossen.

    Andreas

  3. #3
    GW-Forum Team Avatar von Thomas
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    AW: Das Grundelproblem

    Hier eine Bestimmungshilfe mit Bildern für die 4 sich weiter ausbreitenden Grundelarten.

    - Marmorierte Grundel
    - Kesslergrundel
    - Schwarzmundgrundel
    - Nackthalsgrundel

    Die Koppe wird dabei gegenübergestellt, um eine Verwechslung auszuschließen.
    ~~~

    Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
    (Aphorismus von G.C. Lichtenberg)


    Gruß Thomas

  4. #4
    Moderator Avatar von Steini
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    AW: Das Grundelproblem

    Die Ausbreitung geht wie zu erwarten war weiter.
    Im letzten Herbst, gab es wohl die ersten Einzelfänge in der Weser.
    In der Unterweser werden sie nun recht regelmäßig in Reusen gefangen.
    Oberhalb der Staustufe Bremen, wird in den nächsten Tagen überprüft ob sie dort auch schon vorkommt.

    Unabhängig des aktuellen Nachweises, ist es sicher nur noch eine Zeitfrage von wenigen Jahren, bis sie das Wesergebiet erobert hat.

    Es ist traurig, wie wird Sie sich das Auswirken, auf die Koppen, Steinbeißer, Gründlinge, Bachschmerlen und Bachflohkrebse.
    Eben alles was in der Randzone zwischen den Steinen lebt?

    Nun das Auftauchen war zu erwarten, ich rechne mit gewaltigen Veränderungen im Nahrungsnetz und der Artenzusammensetzung.
    Wie so oft, wird es aber kaum einer mitbekommen.
    Gruß Steini

  5. #5
    GW-Forum Team Avatar von Georg
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    AW: Das Grundelproblem

    Nun haben wir die Grundeln auch in Niedersachsen, genauer gesagt im Mittellandkanal,
    bereits im Juni sollen Angler im MLK bei Bramsche Schwarzmundgrundeln am Haken gehabt haben.

    Auch der LSFV NDS informiert per Pressemeldung über das Auftreten von Neogobius melanostomus im MLK.

  6. #6

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    AW: Das Grundelproblem

    Hallo miteinander,

    ich wollte an dieser Stelle mit einigen eigenen Erfahrungen aufwarten. Im Donaubereich gab es folgenden Besiedelungsverlauf. Zuerst kam die marmorierte Grundel und baute dichte Bestände auf. In der Folge nahmen die Bestände der Kesslergrundel zu, die offensichtlich die marmorierten Kollegen wieder stark zurückdrängten. Nun macht sich am stärksten die Schwarzmundgrundel breit, wobei die Kesslergrundel sich eher in freie strömende Bereiche des Flussbettes zurückgezogen hat. Nachhalsgrundeln tauchen derzeit eher selten auf. Zur Ausbreitung ist zu sagen, dass alle vier Arten in den Fischpassuntersuchungen, die ich in leztzer Zeit an der Donau durchführen durfte nur vergleichsweise wenig auftauchen. Ich bin der Meinung die fahren tatsächlich mit den Schiffen mit, was die hohen Ausbreitungsgeschwindigkeiten erklären könnte. An der Donau stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Warum jetzt. Sie hätten auch schon vor fünfzig Jahren mit den Schiffen mitfahren können, haben es aber offensichtlich nicht getan. Haben die gestiegenen Durchschnittstemperaturen damit zu tun? In den Inn beispielsweise wandern sie nicht ein, was an den dort herrschenden niedrigen Temperaturen (Sommerkühl durch Schnee- und Gletscherschmelze) liegen könnte.

    Bei Beobachtungen im Aquarium kann man gerade bei Kesslergrundel und Schwarzmundgrundel feststellen, dass die Tierchen einen horrenden Appetit haben und auch größere Beutefische attackieren. Ein Einfluss auf das Gesamtökosystem unter und auch über Wasser (Fisch fressende Vögel) ist zu befürchten. Ein Gegensteuern ist nicht machbar. Wenn das Problem gelöst werden kann, dann nur durch natürliche Anpassungsvorgänge. Interessant ist, dass zum Beispiel der Zanderfang an der Donau inzwischen von der Verwendung Grundelähnlicher Köder abhängt. Auch beim Barsch deutet sich dies an. Wie's tatsächlich weitergeht, wird die Zeit weisen.

    Beste Grüße

    Manfred
    Geändert von Manfred (31.08.12 um 11:45 Uhr)

  7. #7
    Moderator Avatar von Steini
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    AW: Das Grundelproblem

    Danke Manfred, habe ich mit großem Interesse gelesen.

    Da muß ich Dir einfach mal eine Frage stellen.
    Welche Arten sind umgekehrt seit dem auftauchen der Grundeln weniger geworden oder verschwunden.

    Bei uns ist die Schwarzmundgrundel bis auf wenige km heran, wenn nicht heute schon vereinzelt vorhanden.
    Die werden sich auch weiter die Weser herauf arbeiten, aber bei uns wird sie auf die Koppe treffen, die sich seit etwa 5 Jahre die Weser herab arbeitet.
    Beide bewohnen ja so in etwa den gleichen Lebensraum,die Steinschüttung am Ufer.
    Nun frage ich mich, ob die Koppe sie stoppen kann.
    Beide nebeneinander existieren werden, oder ob die Grundel die Koppen überrennen wird?
    Zur Zeit bin ich halt nachts viel mit der Taschenlampe und Fotoapparat los, um den derzeitigen Stand festzuhalten.
    Da stell ich gleich noch eine Frage!
    Sind Grundeln so ebenso gut nachzuweisen wie Koppen, Steinbeißer, Forellen, Schmerlen usw.?
    Oder kriegt man sie wie die (nachtaktiven) Barben fast nie zu Gesicht?
    Gruß Steini

  8. #8
    Moderator Avatar von Steini
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    AW: Das Grundelproblem

    Am Dienstag habe ich nun erfahren das die Schwarzmundgrundel in Bremen nun schon so zahlreich ist das sie auch so am Rand regelmäßig gesehen wird.
    (@ LL. Nochmals Danke für Deine Fotos, als ich sie für den Beitrag brauchte hatte ich echt keine Ahnung wie schnell das aktuell werden würde)

    Erstaunlich, vor einem Jahr nur als Einzeltiere vorhanden und nun schon so zahlreich.

    Ein Wehr trennt uns noch.
    Aber ich wäre bereit zu wetten, dass einige da schon durch sind.

    Da aber auf den den nächsten 20 -30 Km keine Reusen liegen, wird Ihr Erscheinen zunächst wohl unbekannt bleiben.
    Gruß Steini

  9. #9

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    AW: Das Grundelproblem

    Hallo
    Auf jeden Fall ist ja offensichtlich genug Nahrung für die Grundeln vorhanden.
    Bevor die Grundelplage losging,müssen ja andere Arten diese Nahrungsgrundlage genutzt haben.
    Welche waren das?
    Ich war auf jeden Fall dieses Jahr am Main bei Gemünden,und tatsächlich,es waren auch dort Grundeln,eine Schwarzmundgrundel lebt bei mir nun auch im Aquarium.
    Es wird auch gesagt,das z. B. der Zander wieder Vorteile hat,da er Brutpflege betreibt,und die Zanderbrut in den Grundeln gleich eine gute Nahrungsquelle findet.
    Was ich sagen kann,das wir am Main echt gut gefangen haben,trotz der Grundeln.
    vg

  10. #10

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    AW: Das Grundelproblem

    Hallo,

    im Mündungsbereich der Rur bei Roermond wurden in der dortigen Fangstation in 2011 im gesamten Jahr erstmals < 10 Marmorgrundeln nachgewiesen.

    In 2012 war das bereits der Tagesfang. Die Marmorgrundeln wurden aber lediglich im Zeitraum März/April gefangen. Technisch bedingt, können Fische dieser Größe nur im Abstieg gefangen werden. Vermutlich stiegen sie vom Laichen wieder ab. In anderen Monaten gab es keine Nachweise. Der Mündungsbereich weist einen starken Koppenbestand auf. Etwa 75% der Koppen sind C. periferetrum, die restlichen 25% C. rhenanus.
    Die Koppen werden die Grundeln garantiert nicht stoppen. Durch ihre sehr hohe Vermehrungsrate drücken diese konkurrierende Kleinfischarten an die Wand. Noch ist aber die Grundeldichte zu gering um Veränderungen der heimischen Fauna festzustellen.

    Der Nachweis von Grundeln ist nach meiner Erfahrung schwierig. Steine umdrehen funktioniert da nicht. Lediglich mit dem E-Gerät in der Betriebsart Gleichstrom funktioniert es sehr gut. Da Grundeln gut auf Strom reagieren, sollte man nicht mit Pulsstrom fischen, da die Tiere dann in ihren Verstecken krampfen und nicht heraus kommen.

    LL

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