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Name:	Graser Herbert 2009.jpg
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Systematik:

Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Cyprinoidei
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Unterfamilie: Squaliobarbinae
Gattung: Ctenopharyngodon
Art: Graskarpfen

Wissenschaftlicher Name: Ctenopharyngodon idella

Synonyme: Weißer Amur

Flossenformel:

D (III/7-8)
A (III/7-11)
P (-/15-20)
V k.A
C ( -/18)


Größe: Mittlere Größe 50-80 cm; Maximalgrößen 120 - 150 cm

Gewicht: max. 40 - 45 kg

Alter: Durchschnittlich 5-11 Jahre, Extrema von 21 bis > 33 Jahre (u.a. Cudmore and Mandrak 2004).


Schuppenzahl entlang der Seitenlinie: 42- 45

Schlundzähne: Zweireihig (1)2.(4)5-5(4).2.

Beschreibung:

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Name:	29 Pfund 95 cm.jpg
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ID:	2597Der Graskarpfen ist die einzige monotypische Fischart in der Ordnung der Cypriniden . Er besitzt einen lang gestreckten, von vorne gesehen annähernd runden Körper, der an der Unterseite leicht abgeflacht ist. Er hat an seinem leicht unterständigen Maul keine Bartfäden. Die Schnauze ist zwischen den Nasenlöchern eingekerbt. Die Maulspalte ist in etwa so groß wie der Augendurchmesser. Seine Schuppen sind groß und mit einer Netzzeichnung versehen, die vor allem bei größerem Abstand deutlich zu erkennen ist. Am Rücken ist der weiße Amur gelblich- grün bis grünschwarz gefärbt, auf der Bauchseite geht die Färbung bis ins silbrig- weiße.
Das Wachstum der Graskarpfen liegt im ersten Jahr durchschnittlich bei über 20 cm, je nach Nahrungsangebot und Klima. Bis zum siebten Jahr legen sie im Mittel nochmals um ca. 10 cm pro Jahr zu. Wobei sich die Rogner bei Gewicht und Länge schneller entwickeln.
Extrema schaffen es innerhalb von 5-6 Jahren auf bis zu 1,5m in den Fließgewässern Amerikas, wobei eine Abhängigkeit der Größe der Fisch zur Größe des jeweiligen Gewässers gegeben ist.

Nahrung:

Der Graskarpfen ernährt sich ab einer Größe von ca. 6-10 cm hauptsächlich von Wasserpflanzen. Dabei bevorzugt er weiche Arten, wie Laichkräuter, Wasserlinsen oder Hornkraut.
Er nimmt aber auch Detritus , Insekten und andere Invertebrata als Nahrung zu sich, insbesondere, wenn die Gewässerbedingungen keine ausreichende pflanzliche Nahrung gewährleisten. Auch kleine Fische werden in diesem Fall nicht verschmäht. Adulte Fische ernähren sich von einer Vielzahl von Wasserpflanzen. Für genauere Betrachtungen sei auf die Untersuchungen zur Massenentwicklung von Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen und Gegenmaßnahmen" verwiesen. Bei Neubesatz in Gewässer mit Seerosenbestand berichten Angler regelmäßig vom Rückgang, oder gar vom Verschwinden der Seerosen im Gewässer. Bei übermäßigem Vorkommen kann der weiße Amur - wie er auch genannt wird- die Unterwasserwelt eines Gewässers durch Kahlfrass komplett verändern. Dabei verändert sich meist nicht nur die Zusammensetzung der Wasserpflanzen bis hin zu ihrem Verschwinden, sondern auch die Fischartenzusammensetzung, durch fehlende Laichmöglichkeiten.

Vorkommen/Verbreitung:

Ursprünglich stammt der Graskarpfen aus China. Man vermutet seine angestammte Heimat vor allem in den Regionen des Amur, des Sungari und Ussuri, sowie in der Provinz Kwantung. In den Fließgewässern bevorzugt er die tieferen, langsamer fließenden Bereiche zur Nahrungssuche.
Durch Zucht und Besatz ist er inzwischen in vielen Regionen auf der ganzen Welt verbreitet. So wurde er unter anderem in den 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Europa eingeführt.

Bei der Einführung der Graskarpfen wird auch häufig der parasitäre Bandwurm (Bothriocephalus opsarichthydis) mit eingeschleppt. Insgesamt verdankt man dem Graskarpfen 20 parasitäre Arten in unseren Gewässern, davon 10 Bandwurmarten wie dem Bothriocephalus opsarichthydis. (PDF: Graskarpfen)

Habitatansprüche:

Der Graskarpfen ist recht anspruchslos, was seinen Lebensraum angeht. Er besiedelt große Flüsse und Seen.Dabei bevorzugt er warme Gewässer, Temperaturen über 30°C bereiten ihm keine Probleme. Ebensowenig wie kalte Temperaturen. Des Weiteren kommt er begrenzt mit Salzanteilen im Wasser zurecht. Zum Laichen benötigt er kiesige Fließgewässer, zur Nahrungssuche müssen die Gewässer pflanzenreich sein. Er unternimmt zum Laichen Laichwanderungen flussaufwärts. In Amerika entkamen Graskarpfen aus Versuchsanstalten, und haben sich seitdem exzessiv ausgebreitet. Dabei wurde in Amerika auch sein Bewegungsmuster erforscht. Er kann am Tag bis zu 7 km flussaufwärts wandern. Im Mittel bewegt er sich 1 km pro Tag flussaufwärts, wobei sich große Tiere weiter fortbewegen als kleinere Individuen.

Laichzeit:

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Name:	graskarpfen_iuv_01_mz.jpg
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ID:	2758Faszinierend ist das Laichverhalten des Graskarpfen.
Er laicht in mäßig bis stark fließenden Gewässern mit kiesigem Grund.
In Texas (als einziger Quelle, die das Laichverhalten detailliert beschreibt, und die hier im weiteren wiedergegeben wird) beginnt die Laichzeit zwischen April und Juli. Ab einer Wassertemperatur von 15- 17°C beginnen die Fische mit Ihrer Laichwanderung flussauf, wobei das Ablaichen bei Temperaturen von 18°C beginnt, und die höchste Aktivität der Fische bei 20-22°C liegt. (Stanley et al.1978 aus grass carp) Während der Laichwanderung bilden die Karpfen große Schulen.
Die gemessene Fließgeschwindigkeit in den Laichgebieten betrug dabei mindestens 0,6 m/sec. Gerne werden auch turbulente Bereiche an Zusammenflüssen und unterhalb von Dämmen als Reproduktionsgebiet gewählt.
Das Ablaichen beginnt, wenn zusätzlich zur passenden Wassertemperatur der Wasserstand aufgrund von Regenfällen schnell und stark ansteigt (> 1,2m in 12h grass carp) Das Geschlechterverhältnis im Laichgebiet liegt dabei im Schnitt bei 2:1 zugunsten der Milchner. Die Fische sammeln sich in den am stärksten strömenden Bereichen der Gewässer, wo die Milchner beginnen mit ihren Schnauzen in den Bauch der Weibchen zu stoßen, und sich auf die Seite legen, um das Ablaichen der Rogner in Gang zu bringen. Gleichzeitig mit der Abgabe des Rogens stoßen die Milchner ihr Sperma aus, und die Befruchtung der Eier findet statt.

Die Brutdauer beträgt laut den deutschsprachigen Quellen bei 27-29°C ca. 32-40 Stunden. Die Daten aus Texas geben eine Schlupfdauer von 26-28 Stunden bei 24°C, bzw. 24-30 Stunden bei 25°C in an. Worin sich die unterschiedlichen Temperaturen und Zeiten zwischen den Angaben aus Texas und den deutschsprachigen Quellen begründen ist unklar. Der Laich quillt nach der Befruchtung auf, treibt an die Oberfläche, und wird dann weite Strecken flussabwärts getrieben., bevor die Larven schlüpfen. Die Jungfische beginnen mit der Nahrungsaufnahme nach 2-4 Tagen und ernähren sich zunächst von Kleinstlebewesen wie Rädertierchen. Nach circa einer Woche stellen sie sich auf größere Zooplankter ein. Bereits ab einer Länge von 5 cm stellen sie sich auf pflanzliche Nahrung um.

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Name:	graskarpfen_iuv_03_mz.jpg
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ID:	2759Bei Eintritt der Geschlechtsreife ist der Graskarpfen abhängig von der klimatischen Zone zwischen 58 und 80 cm lang, und 4 bis 8 Jahre alt. Die Geschlechtsreife wird ebenfalls sehr variabel angegeben. Greenfield (1973) und Abdusamadov (1987) geben eine Altersspanne von 1-10 Jahren bei Eintritt der Geschlechtsreife an. Rogner sind durchschnittlich zwischen 58-67 cm, während Milchner zwischen 51-61 cm lang sind und in der Regel 1 Jahr früher geschlechtsreif werden.
Wenn die Bedingungen passen, gilt der Graskarpfen als wahrer Rekordlaicher. Dabei kann ein Rogner laut einer Studie aus Indien bis zu 82 Eier pro Gramm Körpergewicht entwickeln. Stanley (Stanley 1976) berichtet von durchschnittlich über 1 Million Eier pro Rogner, Abdusamadov (1987) gibt die Eizahl bei 4-8 sömmrigen Rognern (63 - 88 cm) mit durchschnittlich 756.000 an. Es wurden auch weniger als 608 Eier pro kg Körpergewicht beschrieben. Ob dies noch in die normale Spannbreite zu rechnen ist, oder bereits krankhafte Veränderungen vorlagen geht aus der Beschreibung nicht hervor.
Die Eier haben bei der Abgabe einen Durchmesser von 2- 2.5 mm.

In unseren Breiten gilt eine natürliche Vermehrung aufgrund der Temperaturen, die die Graskarpfen zum erfolgreichen Laichen benötigen derzeit als nahezu ausgeschlossen.
Vereinzelt kann man im Internet lesen, dass in Main und Donau teilweise eine natürliche Vermehrung stattgefunden haben soll. Diese Aussagen konnten im Rahmen der Recherche zu diesem Beitrag nicht abschließend auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Offiziell scheint es hierzu keine Daten zu geben. Allerdings zeigen die Daten aus Amerika, dass die Ablaichtemperaturen um einige Grad niedriger liegen, als es in der deutschsprachigen Literatur angegeben wird. Daher scheint eine erfolgreiche Reproduktion auch in unseren Breiten im Rahmen des Möglichen.

Graskarpfen können sich auch mit anderen Arten wie dem Silberkarpfen kreuzen. In Amerika gab es Versuche sterile Graskapfen als Hybride mit dem gemeinen Karpfen zu erzeugen. Die Nachkommen waren allerdings fruchtbar. (Hoffman and Schubert 1984; Cudmore and Mandrak 2004)

Verwechslungsgefahr:

Bei adulten Tieren keine. Bei Jungfischen kann es zu Verwechslungen mit dem Döbel kommen.
Schuppenzahl entlang der Seitenlinie: Graskarpfen (42-45), Döbel (43-47)
Unterhalb der Seitenlinie besitzt der Graskarpfen 5 Schuppenreihen, der Döbel dagegen nur 3-4.

Besonderheiten:

Der Graskarpfen wurde in andere Gebiete eingeführt, da er sehr große Mengen an Wasserpflanzen vertilgen kann. Bei optimalen Bedingungen frisst er am Tag sein eigenes Körpergewicht an Pflanzenmasse. Teilweise wird sogar vom Doppelten seines Körpergewichts berichtet. Dabei muss man sich allerdings vor Augen führen, dass die Nahrungsaufnahme erst ab Temperaturen von über 20°C richtig in Gang kommt, und unter 13°C kaum Nahrungsaufnahme mehr stattfindet. (Einschränkend muss hier erwähnt werden, dass dies Zahlen aus Deutschland sind, aus Amerika wird der Beginn der aktiven Nahrungsaufnahme bereits bei 7-8°C angegeben.) Die hohe Nahrungsaufnahme liegt darin begründet, dass der Graskarpfen die Pflanzen nicht vollständig verwerten kann. Daher wird ein Großteil der in den Pflanzen gebundenen Nährstoffe durch den Kot wieder in das Gewässer verbracht, und steht damit im Gewässer wieder frei zur Verfügung. Dies führt zu erhöhtem Algenwachstum, und damit einer Eintrübung des Gewässers. Zusätzlich kann er durch die massive Nährstofffreisetzung in den Wasserkörper auch die Wasserwerte beeinflussen. Die Zehrung von Sauerstoff ist hierbei nur ein Beispiel.

Heute ist sein Besatz in den meisten Bundesländern verboten, oder speziell genehmigungspflichtig durch die Fischereibehörden. Kontrovers werden seine Auswirkungen auf die Ökosysteme diskutiert. Für manche Biologen und Gewässerökologen ist er auch heute noch ein adäquates Mittel zur Reduktion von Wasserpflanzen, andere sehen die Nachteile, wie verstärkte Rückführung von Nährstoffen in das Wasser und daraus resultierend eine Eintrübung durch starkes Algenwachtstum und die Förderung von Blaualgen im Vordergrund. Insgesamt kann sein massives Auftreten einen starken Einfluss auf die gesamte Artenzusammensetzung in einem Gewässer nehmen. Es wurde dabei beschrieben, dass sich Gewässer des Hecht-Schleien Typs durch intensiven Besatz zu Seen des Brassentyps verändern können. In Amerika hat er durch seine Gefräßigkeit andere Fischarten, wie Karpfen, aber auch Hechte aus Gewässern verdrängt.

Drei Artikel aus dem Netz zeigen, dass seine Eigenschaften als Pflanzenvertilger – wie oben bereits beschrieben- auch heute noch gefragt sind. Graskarpfen gegen die Pflanzenplage; Graskarpfen gegen Wasserpest ; Problem: Exzessives Pflanzenwachstum im Lauinger Auwaldsee. Mein Vorschlag

Ein weiterer und ebenfalls sehr interessanter Artikel beschreibt genau die gegenteilige Situation, und die Probleme, die der Graskarpfen verursachen kann. Kraut gegen Graskarpfen und Blaualge

Interessant im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf Pflanzenbestände ist der Vergleich von Graskarpfen und Rotfedern, der in einer Arbeit zur Reduktion der Elodea Konzentrationen in den Ruhrstauseen erarbeitet wurde. Hierbei wurde die Fraßaktivität von Graskarpfen denen der Rotfeder gegenübergestellt, wobei bei Temperaturen von unter 20°C die Rotfedern deutlich mehr fressen als die Graskarpfen. Erst ab höheren Temperaturen übersteigt die Fraßleistung von Graskarpfen die der Rotfedern deutlich. Damit sind sie nicht geeignet Wasserpflanzen bereits in der Wachstumsphase im Frühjahr zu dezimieren. Daraus resultiert der Bedarf einer deutlich erhöhten Bestandsmenge zur effektiven Reduktion, was zu Kahlfrass im Gewässer und negativen Einflüssen auf die Wasserwerte und Blaualgenblüten führen kann.

Für genauere Betrachtungen sei auf die Untersuchungen zur Massenentwicklung von Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen und Gegenmaßnahmen" von (Dr. Petra Podraza et. al 2008) verwiesen.

Krankheiten:

Des Weiteren kann der Graskarpfen Träger der Koi Herpes Virus sein. Graskarpfen erkranken selbst nicht an diesem Virus, sie sind nur die Überträger und man sieht Ihnen die Infektion nicht an. Sie sind sogenannte Carrier. Andere Karpfenarten erleiden bei Ausbruch des Koi Herpes Virus Verluste von 80-100%. Einmal im Wasser hat man bei nicht ablassbaren Gewässern keine Chance den Virus wieder loszuwerden, da auch andere Cypriniden wie Rotaugen, aber auch Muscheln latent infiziert sein können. So kann es auch nach mehreren Jahren der vermeintlichen Ruhe plötzlich wieder zu massiven Karpfensterben kommen.

Quellen und Literaturzitate:

Neobiota : http://neobiota.umwelt.vdst.de/pdf/Ctenopharyngodon.pdf
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Graskarpfen
Fishbase.org: http://www.fishbase.org/Summary/Spec...la&lang=German
PDF Graskarpfen: http://integra-fishing.de/Ausbildung...raskarpfen.pdf
PDF: Untersuchungen zur Massenentwicklung von Wasserpflanzen in den Ruhrstauseen und Gegenmaßnahmen

Daten aus Texas; Speziell die angegebenen Daten von Stanley, Abdusamadov, Chilton and Muoneke;Cudmore and Mandrak; Goldstein and Simmon stammen sämtlich aus dieser Quelle: http://www.bio.txstate.edu/~tbonner/txfishes/ctenopharyngodon%20idella.htm