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Thema: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

  1. #1
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    Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

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Name:	quappe.jpg
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ID:	2734
    Darstellung freundlichst genehmigt durch Hr. Dr. Bernd Stemmer

    Systematik:
    Klasse: Knochenfische (Osteichthyes)
    Ordnung: Dorschartige (Gadiformes)
    Unterordnung: Gadoidei
    Familie: Dorsche (Gadidae)
    Unterfamilie: Quappen (Lotinae)
    Gattung: Lota
    Art: Quappe


    Wissenschaftlicher Name: Lota lota

    Synonyme: Trüsche, Trische, Treische, Rutte, Ruppe, Aalrutte, Aalquappe, Aalraupe, Quappaal.

    Flossenformel:
    wikipedia priv. Site Uni Graz Vilcinskas Cohen et al. 1990 Morrow 1980
    Dorsale 1 9–16 12-14 (9-)12-14(-17) 9-16 k.A. 9-16
    Dorsale 2 67–85 k.A. 67-75(-93) 68-75 67-96 67-85
    Anale 65–78 66-70 (63-)65-78(-85) 65-70 58-79 65-78
    Pectorale 17–22 18-20 18-20 18-20 k.A. 17-22
    Ventrale 6–8 5-6 5-6 5-6 k.A. 6-8
    Caudale k.A. 36-40 36-40 k.A. 40 k.A.




    Größe:
    Maximale Länge von über 1,5 Meter, sonst 40 bis 80 cm.

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Name:	Quappe Maul.jpg
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ID:	2735Gewicht:
    Höchstgewichte bis über 34 kg sind aus größeren Seen bekannt (Morrow 1980). Sonst bis 4 kg bei Größe um 80 cm.

    Alter:
    Um 10 Jahre. Bis 20 Jahre bei Maximallänge und Gewicht.

    Beschreibung:
    Der einzige Vertreter der Dorschartigen (Gadiformes) im Süßwasser hat einen langgestreckten, vorn runden und hinten seitlich abgeflachten Körper mit einem breiten und abgeplatteten Kopf. Am Unterkiefer befindet sich eine auffällige längere Bartel. Quappen besitzen zwei Rückenflossen und kehlständige Bauchflossen. Die Haut ist braun bis gelbgrün marmoriert und von sehr kleinen Schuppen bedeckt.

    Die erste Rückenflosse ist kurz und wird durch eine lange zweite Rückenflosse vervollständigt, welche mindestens sechs Mal länger als die erste ist und sich zu einer gerundeten Schwanzflosse schließt (Morrow 1980). Quappen haben weder dorsale noch anale Flossenstacheln. Die Kiemendornen sind kurz, die Brustflossen abgerundet.


    Nahrung:
    Frisch geschlüpfte Quappen sind komplett auf Plankton als Nahrung eingestellt. Rädertierchen sind die bevorzugte Beute. Später kommen Nauplien von Hüpferlingen und Wasserflöhe in stehenden sowie kleine Copepoden (Ruderfußkrebse) junge Bachflohkrebse und winzige Insektenlarven in fließenden Wasser dazu. Mit zunehmender Größe erweitert sich das Nahrungsspektrum. Weichtiere, größere Insektenlarven und alle verfügbaren wirbellosen Wassertiere und benthische Krebstiere, welche auch später einen großer Bestandteil der Nahrung darstellen. Größere Exemplare sind piscivor eingestellt, das Nahrungsspektrum setzt sich aus Fischen und Krebstieren zusammen.

    Vorkommen/Verbreitung:
    Die Quappe ist eine holarktische einheimische Art, welche zwischen dem 40. und 70. Grad nördlicher Breite der amerikanischen Nearktis und der Eurasischen Paläarktis ihre Verbreitung findet.

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Name:	Quappe 57 cm.jpg
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ID:	2771Zurzeit durchlebt die Gattung Lota eine Revision. Danach werden die Bestände Nordamerikas und Ostsibirien als eigene Art Lota maculosa bezeichnet. Laut Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen, Abteilung Fischerei und Aquakultur sowie Fishbase werden die Namen:

    Enchelyopus lota Bloch und Schneider, 1801
    Gadus lacustris Walbaum, 1792
    Gadus maculosa Le Sueur, 1817
    Gadus compressus Le Sueur, 1817
    Molva maculosa Le Sueur, 1819
    Molva lota Fleming, 1828
    Lota brosmina Storer, 1839
    Lota maculosa De Kay, 1842
    Lota compressa De Kay, 1842
    Lota inornata De Kay, 1842
    Lota vulgaris Kessler, 1864
    Lota linnei Malm, 1877
    Lota vulgaris obensis Anikin, 1902
    Lota Lota kamensis Markun, 1936
    Lota Lota Lota Hubbs & Schultz, 1941
    Lota Lota Leptura Hubbs & Schultz, 1941
    Lota Lota maculosa Hubbs & Schultz, 1941
    als Synomyne bezeichnet.

    Verwechslungsgefahr: Keine

    Habitatansprüche: Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	Quappe 64 cm.jpg
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ID:	2736

    Für die Art typisch ist kaltes und sauerstoffreiches Wasser, ausgeprägte Strömung in Flüssen und kühles sauerstoffgesättigtes Wasser in großen Seen. Die Quappe wechselt von den Mündungen der großen Tieflandflüsse zu kleinen Gebirgsbächen. Ihre Photophobie ist ausgeprägt und am aktivsten ist die Quappe in der Dämmerung und bei Nacht. Im Laufe des Tages bleibt sie fest auf dem Gewässerboden, bewegt sich nur an bewölkten Tagen und bei Regen.
    Tagsüber verdöst die Quappe oft unter benthischen Refugien wie Wurzeln, Bäumen, Felsen und dichter Vegetation (Billard, 1997 ; Cohen et al, 1990. ; Morrow, 1980 ; Riede, 2004 ; Scott und Crossman, 1973).

    Die ideale Wassertemperatur für die Art beläuft sich zwischen 11 und 13 °C. Wenn das Wasser 20 °C erreicht oder überschreitet, wird sie lethargisch. Bleibt auch im Winter in Flüssen und Seen, sind sie mit Eis bedeckt, aktiv. Im Sommer bewegt sie sich in tiefen Gewässern bis zu 200 m Tiefe. Während der kühlen Monate mit guter Futtergrundlage im Frühjahr und Herbst werden die Fette und Glykogen in der Leber gespeichert, um als Energiereserve bei hohen Wassertemperaturen verwendet zu werden. Bei adulten Tieren liefert die Energiereserve der Leber die Stoffe, um die Entwicklung und Reifung der Gonaden während des Sommers zu beeinflussen (Kirillov 1988).

    Laichzeit:
    Zwischen November und Februar laichen Quappen über hartgründigen Stellen, zu denen sie flussaufwärts wandern. Die Männchen werden zuerst an den Laichplätzen beobachtet. Oder die Quappen ziehen ins tiefere Wasser kühler Seen (Cohen et. al. 1990). Pro Rogner werden bis über eine Million Eier abgelegt.

    Das Laichen erfolgt in der Nacht, wenn die Individuen einer kugeligen Masse bilden, drängen sich alle Fische zusammen, um Eizellen oder Spermien abzugeben. Brutpflege wird nicht betrieben (Cahn 1936; MacCrimmon 1959). Quappenlarven schlüpfen im Frühjahr zwischen April und Juni je nach Standort (Bjorn 1940; Cohen 1990). Die Zeit bis zum Schlüpfen ist abhängig von der Temperatur, die Eier verweilen in der Regel zwischen 30 und 70 Tage bis zum Schlüpfen im Kiessediment (MacCrimmon 1959; Bjorn 1940).
    Die semipelagischen Eier sind leicht klebrig und messen 1,2 bis 1,8 mm im Durchmesser.
    Die Larven der Quappen wachsen in 4 Wochen bis über 2 cm (Ghan und Sprules 1993). Die Quappen im Lake Superior zeigen sehr schnelle Wachstumsraten in den ersten zwei Vegetationsperioden, sie erreichen beachtliche 42% ihrer Maximallänge nach 10 Vegetationsperioden ( Bailey, 1972 ; Bjorn, 1940 ; Cohen et al, 1990. ; Ghan und Sprules , 1993 ; MacCrimmon, 1959 )

    Besonderheiten:
    Die Verbreitung und Gefährdung in Deutschland ist auf der Homepage der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung anschaulich dargestellt.

    Nicht nur durch Querverbauungen, Wasserverschmutzung und Warmwassereinleitungen sind die Quappenbestände extrem dezimiert wurden.
    Auch die weitläufig verwurzelte Meinung, dass die Quappe als arger Laich- und Bruträuber an Salmoniden aus dem Gewässersystemen verbannt gehört, dürfte zu einer depressiven Bestandssituation geführt haben. Die Printorgane des VDSF und DAV trugen in den fünfziger und sechziger Jahren mit negativen Beiträgen über Lota lota dazu bei.

    Zitat Fischwaid 01 / 1953; Seite 14 "Die Rutte, ein großer Räuber aber kein Sportfisch" von W.Stiefmacher:
    "Dabei ist zu erwähnen, dass wir das Kroppzeug, nämlich fingerlange Rutten, in Unzahl vernichtet hatten. Hieraus ist zu ersehen, wie wichtig der Fang dieses äußerst schädlichen Laichräubers ist, denn tausende von Forellen wären sicherlich den an diesem einzigen Tag gefangenen Rutten als Laich oder Brut zum Opfer gefallen."


    Zitat Deutscher Angelsport 12 / 1962 Seite 279 "Ein nächtlicher Räuber" von H. Otto:
    "Wir wundern uns, wo unsere Jungfische bleiben, ohne zu ahnen, dass eine Schar Quappen nachts am Grunde ruhende Kleinfische überfällt. ... Die Dezimierung der Quappenbestände ist im Interesse der Gewässerbewirtschaftung und zum Schutz des Laichs und der Jungfische durchaus wünschenswert"


    Das Umdenken später erfuhr als Höhepunkt mit der Wahl zum Fisch des Jahres die notwendige Wertschätzung für gewässerökologische Zusammenhänge: Fisch des Jahres 2002

    Eine Studie wurde im Lake Maggiore durchgeführt, in der der Mageninhalt von Individuen der Quappe im Winter in den Laich-Bereichen der reproduktiv aktiven Coregonen analysiert wurde. Der Inhalt setzte sich ausschließlich aus den Eiern der kleinen Maräne zusammen. Leider gibt es dazu keine Hintergrundinformationen.

    Die tägliche Nahrungsaufnahme von erwachsenen Quappen (Lota lota), gefüttert mit kleinen Maränen (Coregonus albula), wurde experimentell zu vier verschiedenen Wassertemperaturen (2,4 °C; 5,1 °C; 10,8 °C und 23,4 °C) geschätzt.
    Dabei ist die durchschnittliche tägliche Nahrungsaufnahme (MDI; gd -1) und die relative tägliche Nahrungsaufnahme (RDI; gg -1 d -1) bei der Temperatur von 2,4 bis 10,8 °C erhöht und bei 23,4 °C abgesenkt.
    Es wurden Temperaturwerte bei der maximal tägliche Nahrungsaufnahme von 13,6 °C für MDI und 14,4 °C für RDI ermittelt. Ein Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme-Werten und dem Gewicht wurde nicht beobachtet. Die RDI-Werte wurden verwendet, um den jährlichen Verzehr von Fischnahrung der Quappenbestände abzuschätzen.
    Bei der jährlichen Nahrungsaufnahme wurden 9,7 kg ha -1 und 24,3 kg ha -1, geschätzt, wenn die Quappen- Biomasse 2,0 bzw. 5,0 kg /ha betrug.
    Quelle: Feeding of Burbot, Lota lota, at Different Temperatures . Jari-Pekka J. Pääkkönen und Timo J. Marjomäki, Springer.com


    Quellen und Literaturzitate:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Quappe
    University of Michigan
    Nemesis: National Exotic Marine and Estuarine SIS
    Italienische Fauna - Lota lota
    Fishbase
    Biologie Aalrutte Drau
    Truesche Schweiz
    BerichtVDSF_Naturschutzseminar21-11-2010.pdf Seite 5
    Fische Kaerntens Aalrutte


    Fotos & Video: von Albert



    Kommentar des Kameramanns: Was für ein Tier....

  2. #2

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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Servus beieinander,

    Ich sitzte gerade über einer Besatz-/Fangstatistik. Kann mir jemand sagen wie schwer durchschnittlich ein Ruttensömmerling ist?

    Petri
    Toni

  3. #3
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Über die Trüsche im Bodensee.
    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&...ORFoqIB_DV7J8Q

    Auch wenn es eine Art ist, sollte man also genau unterscheiden wo die Besatzfische herstammen.
    Fluss und See, bieten halt ganz andere Möglichkeiten, so das die Fische sich daran anpassten.
    Hier also etwas, zu einem am Grund des Bodensees ablaichenden Stamm.
    Gruß Steini

  4. #4

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    Die Rettung der Quappe

    Die Rettung der Quappen: http://youtu.be/TD7rWP4rttc
    SAC Dörnberg Kalkofen

  5. #5
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Kleine Überlegung zur Quappe.

    Wenn die Quappe besonders kaltes Wasser zur Fortpflanzung benötigt, wird sie das in kleineren, flachen und auskühlenden Nebenflüssen der Ströme finden.
    Die Eier sollen leicht haftend sein, das scheint aber im Film so nicht zu sein.
    Dann sollen die Eier, je nach Quelle im Wasserkörper schwebend oder langsam sinkend sein, also eine ähnliche Dichte aufweisen wie Süßwasser..

    Meine Frage ist, wie mag sich Streusalz wohl nun auswirken, wenn es die Dichte des Wassers erhöht.
    Was eben noch leicht sinkend war, kann dann auftreiben ausgewaschen und weggespült werden, oder?
    Gerade zu Zeiten von leichtem Frost, schmilzt es ja zunächst nur in Verbindung mit Salz, gleichzeitig gelangt aber weniger Wasser in die Gewässer, weil die Flächen ja vom Frost noch versiegelt sind.
    Gewässer mit hohen Grundwasserzufluss, sollten wohl so oder so zu warme Gewässer sein.
    Gruß Steini

  6. #6
    GW-Forum Team Avatar von Albert
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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Zitat Zitat von Steini Beitrag anzeigen
    Kleine Überlegung zur Quappe.

    Meine Frage ist, wie mag sich Streusalz wohl nun auswirken, wenn es die Dichte des Wassers erhöht.
    2010/2011 hatten wir einen frostigen schneereichen Winter. Streusalz für Haushalte war vergriffen auch in den Komunen waren die Lager leer.
    Problematisch war die Schneeschmelze, welches das Salz in die Gewässer spülte.
    Durch die Osmosetätigkeit trockneten die Forelleneier aus und der neue Jahrgang war futsch.
    Gruß
    Albert

  7. #7

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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    schöner Film; von auftreibenden Eiern war da gar nicht die Rede, finde ich bemerkenswert.
    "Nicht Sieg sollte der Sinn der Dikussion sein, sondern Gewinn"
    Joseph Joubert

  8. #8
    GW-Forum Team Avatar von Georg
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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Hier mal ein Photo von gerade frisch schwimmfähigen Quappenlarven,
    sie befinden sich nun in der Phase der Unterkieferausbildung.

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  9. #9
    GW-Forum Team Avatar von Steini
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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Eigene Aufzucht?
    Gruß Steini

  10. #10
    GW-Forum Team Avatar von Georg
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    AW: Quappe (Lota lota Linnaeus, 1758)

    Stimmt, hatten zwei Liter Laich aufgelegt.

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